Mit 40 neu gestartet: vom Radio zur Ordnungscoachin
Shownotes
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00:00:00: Weil ich war 40, ich hatte eben, ich habe es ja gerade erzählt.
00:00:06: Eine sehr unstete Erwerbsbiografie und hatte natürlich auch Ansprüche.
00:00:13: Also es sollte nicht Vollzeit sein, weil ich Zeit mit meinen Kindern verbringen wollte.
00:00:20: Es sollte aber ein Beruf mit Sinn sein und er sollte gut entlohnt sein, entsprechend.
00:00:29: Baba, Hamsterrad, Servus Berufung.
00:00:33: Hallo und herzlich willkommen beim Podcast für berufliche Veränderung, Erfüllung und Sinn.
00:00:41: Ich bin Claudia Scheer, deine Expertin für den Neustart mit all seinen Facetten.
00:00:47: Wenn du gerade merkst, dass du dich in deinem Job nicht mehr wohlfühlst,
00:00:51: du um oder wieder einsteigen möchtest, dann erfährst du hier alles über berufliche
00:00:56: Perspektiven und Karrierewege.
00:00:59: Hallo und herzlich willkommen wieder zu einer neuen Folge von Baba Hamsterrad. Servus Berufung.
00:01:05: Und heute habe ich wieder einen sehr,
00:01:07: sehr lieben Gast. Hallo und herzlich willkommen, liebe Kathrin Miserie.
00:01:13: Ja, danke. Danke für die Einladung, Claudia.
00:01:16: Sehr gerne. Liebe Kathrin, möchtest du dich mal bitte in groben Zügen vorstellen?
00:01:21: Ja, also ich bin Ordnungscoach seit 2012. Ich lebe in Wien.
00:01:30: Ja, man hört, ich komme ursprünglich aus Deutschland, lebe aber schon seit 1995
00:01:36: in Wien, also schon sehr lange und lebe hier mit meiner Familie.
00:01:41: Ich habe zwei Teenager-Söhne und ja, ich weiß nicht, was ist noch interessant,
00:01:50: für deine Hörerinnen? Alles gut, alles gut.
00:01:54: Gut, liebe Katrin, wenn du meinen Podcast schon mal gehört hast,
00:01:58: weißt du, die erste Frage lautet, kannst du dich erinnern, was du als Kind werden wolltest?
00:02:05: Ich weiß, dass ich lange Zeit das werden wollte, was ich so aus meinem Umfeld
00:02:10: kannte. Also als ich im Kindergarten war, wollte ich Kindergartenpädagogin werden.
00:02:16: Damals hieß es noch Kindergartentante.
00:02:19: Als ich in die Volksschule ging, wollte ich Volksschullehrerin werden.
00:02:24: Im Gymnasium wollte ich auf gar keinen Fall mehr Lehrerin werden.
00:02:27: Das hat sich dann sehr schnell geändert.
00:02:30: Und dann hatte ich eigentlich so einen richtigen Herzensberufswunsch,
00:02:36: hatte ich eigentlich nie.
00:02:39: Als junge Erwachsene wollte ich gerne in die Entwicklungshilfe gehen.
00:02:45: Das war mal so eine Zeit lang eine Vorstellung von mir,
00:02:49: Und dann bin ich so in ein Studium reingerutzt. Okay, da sprechen wir nachher noch im Detail drüber.
00:02:56: Jetzt nur eine kurze Frage. Wie hast du nach der Grundschulzeit quasi dann eine
00:03:04: Entscheidung getroffen? Oder in welche Richtung ist dann die Entscheidung gegangen?
00:03:08: Wie es beruflich von der Schule her weitergehen soll?
00:03:14: Ich habe,
00:03:17: das stimmt, das habe ich vergessen also ich habe nach der Schule eine Lehre
00:03:21: als Verlagskauffrau gemacht ich habe,
00:03:24: schon immer sehr, sehr, sehr gerne gelesen und das wäre das war ein Feld,
00:03:33: wo ich mir gedacht habe, da könnte ich das könnte mir gut gefallen und ich habe
00:03:37: dann eben die Lehre gemacht,
00:03:40: in einem sehr guten, aber sehr konservativen Verlag und dann war die Frage,
00:03:51: was mache ich eigentlich so richtig keine Ahnung.
00:03:58: Ich war nicht sehr zielstrebig, was mein Beruf, oder ich hatte keine ganz klare
00:04:03: Vorstellung, was in meinem Leben passieren soll, beruflich.
00:04:09: Und wie ist es dann weitergegangen? Bist du bei der Firma geblieben oder bist
00:04:14: du ausgestiegen? Hast du da jemand was anderes?
00:04:17: Ja, ich habe dann ein Jahr in London gelebt. Ich habe als Au-pair gearbeitet
00:04:21: und dann später in der Gastronomie gejobbt.
00:04:27: Und habe dann nochmal versucht, im Verlag anzudocken. Aber es sollte schon auch
00:04:33: ein Studium sein. Das war irgendwie von zu Hause. Ich bin so aufgewachsen.
00:04:37: Man studiert halt. Meine Schwestern haben studiert. Und Studium war auch eine
00:04:42: gute Möglichkeit, nochmal ein bisschen Zeit zu schinden.
00:04:46: Und ich habe dann Publizistik angefangen und Anglistik.
00:04:52: Mit der Idee, da habe ich viele Möglichkeiten. Also ich kann in einen Verlag
00:04:56: gehen, ich kann vielleicht in die Werbebranche gehen.
00:05:02: Ich kann einfach nochmal schauen, was da so auf mich zukommt.
00:05:06: Ja, also das Phänomen, dass viele dann mit 18 auch noch nicht wissen,
00:05:13: was sie machen möchten, das ist ja weit verbreitet.
00:05:18: Immer noch die Vorstellungen von der Welt nicht sehr klar sind.
00:05:22: Und ich habe übrigens auch Publizistik studiert. Ich wollte eigentlich Journalistin werden.
00:05:31: Aber ich habe dann auch gemerkt, dass es auch noch viele andere Möglichkeiten
00:05:35: gibt und dass es insofern ein ganz praktisches Studium und Sprachen ist natürlich immer.
00:05:40: Genau, ja. Kann man immer brauchen.
00:05:44: Gut, dann hast du also Publizistik studiert und im Gegensatz zu mir hast du
00:05:49: es auch fertig gemacht. Ja, habe ich.
00:05:56: Und wie ist nach dem Studium weitergegangen? Nach dem Studium habe ich hier
00:06:00: in Wien angefangen bei der Messe. Ich habe,
00:06:07: als Messekoordinatorin gearbeitet für zwei große Messen.
00:06:11: Und habe dann auch sehr engagiert und das hat mir auch wirklich Spaß gemacht,
00:06:17: aber leider nur anderthalb Jahre oder zwei.
00:06:21: Und dann war für mich wieder die Frage, was mache ich, was will ich,
00:06:25: wo will ich hin und habe dann eine größere Asienreise gemacht.
00:06:33: Von der bin ich zurückgekommen, wusste immer noch nicht, was ich machen will,
00:06:37: Habe dann lange Zeit wieder in der Gastronomie gearbeitet und habe dann.
00:06:49: Gemerkt, ich würde gerne im Radio arbeiten, also Radiobeiträge machen.
00:06:53: Ich habe viel Ö1 gehört und fand einfach diese Radiobeiträge ganz toll und habe
00:07:00: mich dann bei Ö1 beworben oder beim ORF. Das war damals so.
00:07:06: Man hat sich halt nicht beim Radio beworben, sondern beim ORF.
00:07:10: Und dann hat man mir damals gesagt, mit meiner bundesdeutschen Hochlautung würde
00:07:15: das beim österreichischen Radio nichts für mich werden.
00:07:20: Und das war 2003,
00:07:24: muss das gewesen sein, 2002, 2003.
00:07:28: Und,
00:07:31: habe dann ein Praktikum in Berlin mir gesucht bei einem Privatsender und habe
00:07:38: dann dort auch angefangen. Das war auch super. Ich habe wirklich total viel
00:07:41: gelernt und habe relativ schnell auch eigene Beiträge gemacht, so mit allem.
00:07:44: Also mit Einsprechen, Interviews machen, die Sachen schneiden.
00:07:50: Also quasi von Anfang bis Ende den ganzen Beitrag, bis er dann fertig war und
00:07:54: gesendet werden konnte.
00:07:56: Und nach drei Monaten war dann das Praktikum zu Ende und ich habe mich dann auf den Weg gemacht, als.
00:08:06: Freie Redakteurin Beiträge anzubieten bei den Sendern.
00:08:11: Das war aber sehr schwierig, also komplett ohne Connections,
00:08:15: kein Network, gar nichts und habe auch schon immer mal wieder was verkauft,
00:08:24: Aber ich habe dann doch relativ schnell gemerkt, an meinem Konto auch,
00:08:30: dass das nicht funktionieren wird finanziell.
00:08:35: Und ich wollte dann auch wieder zurück nach Wien.
00:08:39: Also ich war nicht sehr glücklich in Berlin, war eigentlich sehr unglücklich
00:08:42: in Berlin und wollte zurück nach Wien und habe dann hier in Wien eine Stelle
00:08:48: gefunden bei einem Online-Reiseführer als Reiseredakteurin.
00:08:54: Und bin dann zurück nach Wien und habe dann dort drei Jahre angefangen.
00:09:00: Der ist dann leider in Konkurs gegangen.
00:09:03: Das war von der Idee her im Grunde genommen das, was man heute so mit Apps bedient,
00:09:09: aber damals noch alles über SMS gelaufen.
00:09:12: Und ja, aus welchen Gründen auch immer, das hat halt nicht funktioniert und
00:09:19: der ist in Konkurs gegangen und ich war zu dem Zeitpunkt schwanger mit unserem zweiten Sohn.
00:09:24: Und das war dann der Zeitpunkt, wo ich gemerkt habe, okay, jetzt kommen ganz
00:09:29: viele neue Parameter und jetzt muss ich wieder überlegen, wie soll es denn weitergehen.
00:09:40: Warte mal ganz kurz, ich möchte an der Stelle gerne mal halten und noch ein
00:09:43: bisschen was dazu fragen.
00:09:45: Und zwar diese Reise nach Asien.
00:09:52: Da bist du ja, ich nehme mal an, Reisen gehört zu deinen Hobbys oder das ist
00:09:57: etwas, was du gerne machst.
00:10:00: Da hast du ja quasi auch schon so ein bisschen eine Grundlage für das Thema,
00:10:06: beruflich im Zusammenhang mit Reisen gelegt.
00:10:10: Aber was hast du für dich aus dieser Zeit in Asien mitgebracht?
00:10:17: Ich war allein unterwegs und ich war auch in teilweise schwierigen Gegenden.
00:10:22: Also ich habe in China angefangen und bin da vor allem in den ganz ländlichen
00:10:28: Gegenden unterwegs gewesen und halt mit Nullsprachkenntnissen.
00:10:32: Und das Wichtigste, was ich mitgenommen habe, ist.
00:10:37: Ich muss vor nichts mehr Angst haben,
00:10:41: weil ich da vor so vielen kleinen Problemen gestanden bin, die ich halt alle
00:10:51: irgendwie lösen musste.
00:10:53: Und ich habe mir gedacht, also wenn ich das alles hingekriegt habe und da auch
00:10:58: eigentlich keine Angst hatte immer, also ich bin da, ich habe mich da sehr gut
00:11:02: gefühlt auf diesen Reisen, dann,
00:11:07: Also das hat mir eine große Sicherheit gegeben, für mich, für meine Lösungskompetenz
00:11:12: und auch darauf, dass ich mich auf mich selber sehr gut verlassen kann.
00:11:19: Das ist ja ganz spannend, weil ich meine so, die Probleme, wenn man vor einem
00:11:25: Schild steht und nicht weiß, in welche Richtung geht man jetzt.
00:11:31: Das sind ja kleinste Probleme normalerweise, aber jede ist eine große Hürde,
00:11:36: wenn man in einem Land ohne die entsprechenden Sprachkenntnisse unterwegs ist
00:11:40: und die Schrift auch nicht lesen kann. Ja.
00:11:43: Und was ich auch gelernt habe, ist, anderen zu vertrauen.
00:11:48: Weil wenn mir jemand im Bus sagt, ja, ich fahre dahin, wo du hin willst,
00:11:52: also ich habe halt viel mit so einem Reiseführer und da waren dann die Schriftzeichen für die Orte,
00:11:58: dann bin ich da eingestiegen und habe halt gehofft, dass wenn er sagt,
00:12:02: jetzt musst du aussteigen, dass ich dann bin an dem Ort, wenn du nicht willst.
00:12:06: Oder wenn ich in einem Restaurant war und gesagt habe, ich möchte kein Hundefleisch
00:12:11: essen, dass ich darauf vertrauen muss, dass die mir dann wirklich kein Hundefleisch,
00:12:16: servieren. Also ein Vertrauen in andere Leute.
00:12:22: Und dazu braucht es ein bisschen auch Menschenkenntnis auf der einen Seite und
00:12:27: ein gutes Bauchgefühl, oder?
00:12:31: Ja, ja, wahrscheinlich, wahrscheinlich. Also es gab schon so ein,
00:12:35: zwei Situationen, wo ich gegen mein Bauchgefühl tatsächlich gearbeitet habe
00:12:39: und die waren dann auch nicht so lustig, sind aber auch gut ausgegangen.
00:12:45: Ja, genau. Und auch dieses, ich brauche eigentlich nicht viel.
00:12:49: Also das, was ich brauche auf Reisen, ist, ich brauche was zu essen,
00:12:52: ich muss irgendwie von A nach W kommen und ich brauche am Abend ein Bett zum Schlafen.
00:12:57: Und auf das habe ich mich immer konzentriert, auf diese ganz essentiellen,
00:13:03: wichtigen Bedürfnisse zu kommen.
00:13:06: Ja, und insofern versteht man auch, warum viele so diese,
00:13:12: ein paar Monate aussteigen wollen in eine andere Kultur und so weiter,
00:13:16: weil sie dann wirklich auf ihre essentiellsten Bedürfnisse reduziert werden. Und.
00:13:24: Das gibt ein ganz anderes Weltbild, wenn man wieder zurückkommt.
00:13:29: Ich war auch mal sechs Wochen in Asien, sind wir als Rucksack-Touristen herumgereist und Mann und ich.
00:13:37: Und das hat uns auch viele Einsichten gelehrt, muss ich sagen.
00:13:41: Und auch sehr viel Dankbarkeit, also dass man hier einfach im Wasserhahn auftreten
00:13:46: kann und sauberes, trinkbares Wasser rauskommt, das ist einfach nicht selbstverständlich.
00:13:50: Das stimmt, das stimmt, ja. Ja, okay, also das heißt, und eins muss man auch
00:13:58: noch sagen, die Welt war ja damals noch nicht so digitalisiert,
00:14:02: wie sie heute ist, wo ein Handy alles konnte.
00:14:05: Also man war immer auf der Suche nach Informationen, oder? Ja, genau. Genau.
00:14:12: Okay, und dann hast du dein zweites Kind bekommen und dann hat sich die Frage
00:14:17: nochmal gestellt, neben der Sache, dass man Eltern ist, aber du hattest schon ein Kind.
00:14:22: Aber trotzdem, zwei Kinder ist dann auch nochmal was anderes,
00:14:25: wieder ein kleines Kind, wie es weitergehen soll.
00:14:29: Genau, ja. Und wie bist du da zu einem Entschluss gekommen oder zu einer Idee
00:14:34: oder wie hast du das gemacht?
00:14:39: Also die Ausgangslage war für mich, habe ich für mich empfunden,
00:14:44: schwierig, weil ich war 40. Ich hatte eben, ich habe es ja gerade erzählt,
00:14:51: eine sehr unstete Erwerbsbiografie,
00:14:54: Und hatte natürlich auch Ansprüche.
00:14:58: Also es sollte nicht Vollzeit sein, weil ich Zeit mit meinen Kindern verbringen wollte.
00:15:05: Es sollte aber ein Beruf mit Sinn sein und er sollte gut entlohnt sein,
00:15:14: entsprechend dem zeitlichen Einsatz.
00:15:17: Und da war ich schon eigentlich allein aufgrund dieses Anforderungsprofils ziemlich demotiviert.
00:15:27: Ich habe mir gedacht, das wird sehr schwierig bis unmöglich und ich habe mich
00:15:35: schon ein bisschen davor gefürchtet, Und auch, dass ich Kompromisse machen werde, müssen.
00:15:42: Und hatte in der Zeit der Karenz,
00:15:48: einfach viel Zeit und Möglichkeit, so im Hintergrund die Sachen arbeiten zu lassen.
00:15:56: Also das ist auch was, was ich gelernt habe in der Zeit,
00:16:00: dass ich persönlich nicht auf Biegen und Brechen mit Listen und Pro und Contra
00:16:07: eine Entscheidung erzwingen muss, sondern dass ich,
00:16:11: ich sage immer, wie beim Computer im Hintergrund so ein Update laufen lassen kann.
00:16:16: Also ich gebe meine Gedanken rein und meine Ideen und so die Inputs,
00:16:21: die kommen von außen und dann lasse ich das arbeiten. Das mache ich auch heute noch so.
00:16:27: Funktioniert sehr gut. Und ich
00:16:30: hatte, also ich sage immer, ich bin so zwangsinspiriert worden vom Leben.
00:16:36: Also auch durch diese ganze Situation mit meinem Arbeitgeber.
00:16:39: Und ich hatte eine Freundin oder eine Freundin, die ist immer sehr up to date. Und ja,
00:16:47: in einem Gespräch, weil ich eben erzählt habe, ja, irgendwie das Ausmisten und
00:16:53: das Loslassen. Und wenn ich bei XY sehe, die haben so viel und die leiden so darunter.
00:16:59: Und sie hat dann zu mir gesagt, na, mach das doch beruflich.
00:17:05: Da gibt es Professional Organizer. Also sie kannte einfach diesen Begriff.
00:17:10: Und wir haben da damals noch so drüber gekichert. Und irgendwann bin ich halt
00:17:14: am PC gesessen und habe mal wieder so ein bisschen gegoogelt,
00:17:18: was könnte ich machen, welche Arbeitgeber könnten interessant für mich sein
00:17:22: für eine Initiativbewerbung.
00:17:25: Und dann ist mir das wieder eingefallen und dann habe ich das halt gegoogelt,
00:17:29: Professional Organizer und habe eben gesehen,
00:17:33: in Deutschland, da gibt es schon auch so eine Vereinigung von Ordnungscoaches.
00:17:40: Es gibt in Großbritannien ganz viele, in Amerika sowieso.
00:17:46: Und dann habe ich mir gedacht, da gibt es Leute, die verdienen wirklich einen
00:17:51: Lebensunterhalt damit.
00:17:53: Und,
00:17:56: habe dann beschlossen, naja, das probiere ich einfach. Das.
00:18:03: War mir schon klar, es wird kein großer finanzieller Aufwand sein.
00:18:07: Ich werde eine Website brauchen, aber ich brauche jetzt keine Betriebsstätte etc.
00:18:13: Und ich probiere das einfach. Ich mache das halt als Erste in Österreich.
00:18:18: Also ja, so war das. Das war dann eine Eingebung.
00:18:23: Ja, und die muss man auch annehmen können. Ja, ja.
00:18:28: Und hast du eine Ausbildung auch dafür gemacht oder bist du jetzt mal von deinem
00:18:32: aktuellen Wissensstand damals ausgegangen?
00:18:35: Genau, also Ausbildung gab es damals nicht.
00:18:40: Ich hätte eventuell eine gemacht tatsächlich, wenn es eine gegeben hätte,
00:18:43: weil es ist ja schon gut, wenn man lernt von Leuten, die da schon arbeiten und
00:18:49: die Erfahrung haben in dem Bereich.
00:18:51: Aber nein, es ist ja auch ein freies Gewerbe, also man braucht keine Ausbildung dazu.
00:18:57: Und ich habe einfach gestartet.
00:19:02: Und wie wir Selbstständige wissen, ist einfach starten gar nicht einfach.
00:19:08: Wie bist du zu deinen Kunden gekommen? Was hast du gemacht, dass du Kunden bekommst?
00:19:14: Also ich habe hier in Österreich gibt es ja dieses Unternehmensgründungsprogramm.
00:19:20: Ich bin da reingekommen, wobei mein Berater damals gesagt hat,
00:19:26: ich sehe sie nicht bei anderen aufräumen.
00:19:30: Aber ich habe ja damals schon gewusst, es geht ja nicht nur ums Aufräumen,
00:19:32: es geht ja um total viel mehr.
00:19:34: Und ich bin dann reingekommen und das war eine tolle Erfahrung.
00:19:38: Also es waren ganz, ganz wirklich großartige Seminare, von denen ich auch heute noch profitiere. Und.
00:19:48: Da hat man natürlich schon ein bisschen was gelernt. Also wie kommt man zu Kundinnen?
00:19:53: Und ich habe als allererstes mal auf meine Website gesetzt und habe am Anfang
00:19:59: auch Google Werbung geschaltet.
00:20:03: Es ist ja so, wenn man ein Problem hat, ich vergleiche das mit einem Zahnarzt.
00:20:09: Also ich habe Zahnschmerzen und dann weiß ich, es gibt den Zahnarzt,
00:20:14: also google ich Zahnarzt, Zahnärztin, dann finde ich jemanden.
00:20:20: Aber wenn noch niemand weiß, dass es Ordnungscoaches gibt, dann googelt man
00:20:24: das auch nicht. Also das heißt, es hat sehr lange gedauert.
00:20:27: Ich habe dann angefangen, gleich Blogbeiträge zu schreiben und eben über diese
00:20:33: Suchbegriffe sind die Leute dann auf mich zugekommen.
00:20:39: Genau, und über die Google-Werbung auch. Networking habe ich nicht so viel gemacht.
00:20:46: Das war am Anfang, ja, weiß ich nicht, war ich, glaube ich, ein bisschen zu
00:20:49: unsicher, zu schüchtern.
00:20:51: Also die ersten KundInnen sind über die Website gekommen.
00:20:56: Genau, dann habe ich relativ bald auch Presseanfragen bekommen und das hat natürlich auch geholfen.
00:21:08: Welches Problem hatten so deine ersten Kunden?
00:21:13: Also was war deren Painpoint? Also die allererste Kundin, das weiß ich noch,
00:21:20: die hatte ihren Mann kurz vorher verloren und wollte,
00:21:28: dann nach der Trauerzeit und als sie dann bereit war,
00:21:34: auch die Dinge ihres Mannes gut, wie sage ich es jetzt, sich gut davon trennen.
00:21:42: Genau, das haben wir zusammen gemacht.
00:21:47: Also da ist dann schon klar geworden, es geht eben nicht nur ums Aufräumen,
00:21:52: sondern es geht immer auch noch um was anderes.
00:21:54: Wobei ich gleich sagen muss, das ist mir ganz wichtig, das sage ich auch allen
00:21:58: Kundinnen, das sage ich in jedem Interview, ich bin keine Therapeutin und ich
00:22:03: grenze mich da natürlich auch ganz klar davon ab.
00:22:07: Und trotzdem bekomme ich natürlich viel mit. Ja,
00:22:14: das ist natürlich auch eine extrem schwierige Situation. Du hast ja gleich eine
00:22:19: Feuertaufe gehabt, weil da quasi jedes Stück, das man weggibt mit Erinnerung, behaftet ist und so.
00:22:28: Okay, also jemand, der sich von seinen Sachen trennen will, die jetzt nicht
00:22:34: mehr benötigt werden. und du hast gesagt, gut trennen.
00:22:39: Was meinst du damit? Also damals, die Kundin konnte ich natürlich noch nicht
00:22:43: so gut begleiten, wie ich heute meine Kundinnen begleiten kann.
00:22:50: Gut trennen heißt für mich, dass man eine fundierte Entscheidung trifft,
00:22:58: die kann pro oder kontra des Stücks sein,
00:23:02: aber eine Entscheidung, mit der man sich im Reinen fühlt,
00:23:08: und gerade beim Weggeben, also wenn man sich trennt von etwas,
00:23:11: ist es enorm wichtig, dass es eine Entscheidung ist, die man in späterer Zeit nicht bereut.
00:23:18: Und für mich ist da der Unterschied beim Bereuen. Es gibt natürlich,
00:23:24: wenn man sich von 500.000 Stücken trennt und das passiert leicht mal.
00:23:30: Gibt es natürlich, und das sage ich meinen KundInnen auch, es wird immer Entscheidungen
00:23:35: geben, wo man ein paar Monate später sagt, das hätte ich jetzt doch nicht weggeben sollen.
00:23:41: Der Unterschied ist aber, wenn man sich trotzdem fundiert entscheidet,
00:23:44: dass man es nicht bereut, also dass man nicht Wochen, Monate danach grübelt
00:23:48: und sich zerfleischt, sondern sagt, naja,
00:23:51: heute hätte ich die Entscheidung anders getroffen, aber damals habe ich die
00:23:55: beste Entscheidung getroffen, die ich zu den Zeiten treffen konnte.
00:23:58: Und das ist ein Riesenunterschied.
00:24:00: Also das heißt für mich, gut entscheiden, mit sich im Reinen sein.
00:24:05: Ja, also ich habe ja meine Beratungslaufbahn,
00:24:12: mit dem Schwerpunkt Entscheidungen treffen angefangen und.
00:24:18: Tatsächlich ist es auch das, was ich als eine gute Entscheidung sehen würde,
00:24:23: dass man zu dem aktuellen Zeitpunkt eben die bestmögliche Entscheidung trifft.
00:24:31: Und die bestmögliche Entscheidung ist immer, wenn das Bauchgefühl und der Kopf
00:24:35: zusammengehen. Wenn es nicht zusammengeht, dann kommt es immer zu diesem Hin und Her. Genau, genau.
00:24:41: Also das ist genau das. Also ich ermutige meine KundInnen auch,
00:24:47: als erstes mal aufs Bauchgefühl zu hören.
00:24:50: Und dann kann man darüber reflektieren. Was sagt denn das Bauchgefühl?
00:24:54: Warum könnte das so sein?
00:24:57: Das Gehirn funkt eh dazwischen mit so Dingen wie aber das war mal teuer das
00:25:02: ist immer das Gehirn, das ist nie der Bauch oder,
00:25:07: das war ein Geschenk das ist das Gehirn, das ist nie der Bauch aber man kann
00:25:11: das super aufdröseln ja, genau und,
00:25:16: Ich meine, damals war ja auch die Infrastruktur noch nicht so ausgebaut,
00:25:22: wie es jetzt ist, im Sinne der Wiederverwertung und so weiter.
00:25:28: Habt ihr da gute Lösungen finden können? Also so im Sinne der Nachhaltigkeit.
00:25:33: Ja, haben wir schon. Also ich meine, in Wien haben wir es dann natürlich leicht.
00:25:37: Da hat es damals schon Spendenorganisationen gegeben, wo man die Sachen hat hingeben können.
00:25:45: Es hat schon immer Kindergärten und Volksschulen gegeben, wo man Spiele,
00:25:49: Bücher, Bastelsachen hat hingeben können.
00:25:52: Also das war schon damals möglich.
00:25:56: Also es war ja 2012, das war jetzt letztes Jahrtausend.
00:26:01: Ja, okay. Ja, das stimmt. Da hat man natürlich auch einen Vorteil in größeren Orten.
00:26:10: Das ist bezüglich besser.
00:26:14: Aber du bist jetzt also schon von 2012 quasi, wie du angefangen hast.
00:26:22: Bis jetzt ist schon eine Zeit ins Land gegangen.
00:26:25: Und mittlerweile bist du nicht mehr die einzige Ordnungsberaterin in Österreich,
00:26:30: sondern ihr habt euch zu einem Verband zusammengeschlossen. Erzähl uns mal ein
00:26:34: bisschen etwas über euren Verband, bitte.
00:26:38: Ja, also,
00:26:41: das war meine Kollegin Olivia Ruderesch aus der Steiermark, die mich damals,
00:26:48: angeschrieben hat, ob wir nicht zusammen irgendwie was machen wollen.
00:26:53: Und wenn ich ganz ehrlich bin, damals war ich ja nun der Platzhirsch.
00:26:59: Am Anfang hat mir das nicht so geschmeckt. Also bin ich schon ganz ehrlich.
00:27:04: Aber die Olivia war sehr charmant und hartnäckig.
00:27:09: Und ja, wir haben uns dann mit noch einer anderen Kollegin aus Niederösterreich,
00:27:15: die ist nicht mehr beim Verband zusammengetan und haben einfach überlegt mal, was können wir,
00:27:21: was könnten wir machen, was könnte unser Ziel sein als Ordnungscoaches.
00:27:26: Und unser erstes Ziel war und ist nach wie vor, diese Dienstleistung bekannt zu machen.
00:27:33: Also, dass wir irgendwann mal so klar gegoogelt werden wie eben eine Zahnärztin oder ein Zahnarzt.
00:27:43: Und dann haben wir nach und nach angefangen, Leute anzuschreiben aus den anderen
00:27:49: Bundesländern und es gab damals auch wirklich nicht viel. Wir waren wirklich nur eine Handvoll.
00:27:59: Und haben dann irgendwann eben den Verband gegründet. Also das ist als Verein organisiert.
00:28:09: Und ja, jetzt treffen wir uns regelmäßig, also per Zoom, online sagen wir,
00:28:18: ohne Werbung, treffen wir uns regelmäßig online alle zwei Monate.
00:28:23: Wir haben Core-Teams, also immer ein paar Leute sind für eine bestimmte Aufgabe
00:28:29: zuständig und einmal im Jahr treffen wir uns auch alle vor Ort.
00:28:34: Das ist immer total nett und machen auch andere Sachen zusammen.
00:28:38: Also zum Beispiel, dass wir zusammen auf einer Messe stehen und einen Messestand teilen.
00:28:47: Und haben eben diesen Austausch miteinander. Genau.
00:28:52: Und wie viele Ordnungsberater und Beraterinnen gibt es jetzt schon in Österreich?
00:28:58: Das ist ein bisschen schwierig zu sagen. Also,
00:29:03: laut Eintrag, also es gibt ja einen eigenen Gewerbeschein tatsächlich auf Baumcoach.
00:29:12: Sind es 120 Personen, die den gelöst haben.
00:29:18: So richtig fulltime damit arbeiten, glaube ich, tut nicht mal die Hälfte.
00:29:24: Also viele haben das halt so noch gelöst als Ergänzung.
00:29:29: Also zum Beispiel Ordnungsberaterinnen.
00:29:33: Ich glaube, ja, also das ist jetzt so das Erste, was mir einfällt.
00:29:37: Von daher ist es, ich glaube, die Anzahl der Gewerbescheine spiegelt nicht wirklich
00:29:45: wider, wie viele tatsächlich als Ordnungscoaches arbeiten.
00:29:48: Aber ich würde jetzt mal sagen, mit eigener Website, mit eigenem Auftritt schätzungsweise
00:29:55: vielleicht 50 in ganz Österreich, vielleicht 60.
00:30:02: Würdest du sagen, dass wenn jetzt jemand sich überlegt, ja, eigentlich ist das
00:30:08: auch eine Stärke von mir, Struktur in Dinge reinzubringen und so weiter,
00:30:15: gibt es da noch Platz auf dem Markt oder ist da noch Bedarf für weitere Ordnungsexperten.
00:30:23: Und Expertinnen? Also das glaube ich ganz sicher. Ja.
00:30:29: Also der Vorteil wäre, wenn wir mehr würden, es würden mehr Leute darauf aufmerksam
00:30:36: machen, dass es uns gibt und mehr Leute würden erfahren, dass sie Hilfe haben
00:30:40: könnten und würden einfach gezielt sich jemanden aussuchen.
00:30:45: Und das wäre ein großer Vorteil, wenn es von uns noch mehr gäbe.
00:30:50: Der Bedarf ist ganz sicher da.
00:30:52: Also wenn ich mir überlege, in Wien, wir sind wahrscheinlich 15 Ordnungscoaches
00:30:58: in Wien, in einer 2-Millionen-Stadt.
00:31:02: Also da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.
00:31:07: Es ist auf jeden Fall leichter in Städten oder Ballungsgebieten.
00:31:12: Also ich weiß schon, dass meine, ich biete ja selber,
00:31:18: eine Ausbildung an, einen Lehrgang und ich weiß, dass meine Teilnehmerinnen,
00:31:22: die jetzt sehr ländlich wohnen, dass die es schon noch schwierig haben.
00:31:28: Ja, woran das liegt, viele sagen, es ist halt,
00:31:34: auf dem Land noch schambehaftet. Ja, also das kenne ich aus meinen Anfängen
00:31:38: in Wien auch. Das ist jetzt gar nicht mehr so.
00:31:42: Aber in den ländlichen Gebieten anscheinend ist das noch so. Ja.
00:31:49: Und was braucht jemand, oder was würdest du sagen, ist als Grundausstattung
00:31:54: notwendig für jemanden, der in dieses Business einsteigen möchte?
00:32:00: Gut, also natürlich, was du schon gesagt hast, ein Händchen für Organisation,
00:32:04: für Struktur, für leichte Abläufe, leichte Arbeitsabläufe, auch so ein räumliches
00:32:12: Vorstellungsvermögen.
00:32:13: Aber das bringen eh alle mit, die sich dafür interessieren. Ja, das ist ganz natürlich.
00:32:22: Ich glaube, Geduld ist sehr wichtig. Also Geduld mit sich selber,
00:32:26: aber Geduld auch mit unseren KundInnen, weil es halt oft nicht so flott geht,
00:32:33: wie wir uns das vorstellen.
00:32:35: Ja, also gerade dieses Entscheidung treffen, sich beim Trennen,
00:32:39: beim Abschied nehmen von Dingen, das braucht einfach oft Zeit,
00:32:46: aber auch Geduld mit sich. Also eine Selbstständigkeit aufbauen ist ein Marathon.
00:32:52: Das dauert, ich meine, bei manchen geht es ganz schnell auf,
00:32:57: aber ich sage schon, man muss sich schon zwei Jahre Zeit geben,
00:33:00: eigentlich mindestens.
00:33:05: Bis man mal sagen kann, ja, das geht auf für mich oder nicht.
00:33:10: Wie körperliche Anstrengungen. Achso, Entschuldige.
00:33:15: Ja, Toleranz oder auch Neugier.
00:33:20: Und vor allem auch.
00:33:25: Toleranz ist wahrscheinlich eh so das Wort, was am nächsten kommt,
00:33:28: weil man natürlich so viele Lebensentwürfe kennenlernt. So viele Leute sind
00:33:33: alle so unterschiedlich.
00:33:35: Und man darf auf gar keinen Fall in irgendein Zuhause gehen und anfangen zu bewerten.
00:33:46: Warum ist das so? Oder warum kann die nicht? Oder warum fällt es dem so schwer?
00:33:55: Das sollte man sofort ablegen, wenn man da in dem Beruf arbeitet.
00:34:03: Wie körperlich anstrengend ist so eine Tätigkeit? Also es kann schon anstrengend werden.
00:34:11: Es kann schleppen von schweren Kisten, Treppen runter, rauf, ohne Aufzug.
00:34:22: Ich sitze viel am Boden, wenn wir Dinge aussortieren, Papiere zum Beispiel und
00:34:29: alles verteilen am Boden, weil sonst vielleicht kein Platz ist.
00:34:36: Weil eventuell sonst alles voll ist, alle Tische, alle Sessel.
00:34:41: Aber es ist jetzt nicht so, dass man mit dem Muskelkater irgendwo rausgeht.
00:34:48: Aber es ist keine sitzende Tätigkeit.
00:34:51: Und ist ein Auto unbedingt vonnöten? Also wir haben kein Auto.
00:34:57: Ich habe noch nie ein Auto besessen. Natürlich in Wien fällt es mir leicht.
00:35:03: Es ist natürlich ein schönes Serviceangebot, wenn man den KundInnen sagen kann,
00:35:07: ich nehme jetzt deine Sachen mit und bringe die zur Spendenannahmestelle.
00:35:14: Aber in meinem Fall hat es sich noch nie nachteilig erwiesen.
00:35:20: Man kann dann einfach eine andere Möglichkeit finden.
00:35:23: Und natürlich, wenn ich jetzt irgendwo ein bisschen abgelegener wohne,
00:35:28: die Leute, also meine Kolleginnen, die haben eh ein Auto und ich weiß,
00:35:32: wenn man dann irgendwo hinfahren muss, dann ist ein Auto schon gut.
00:35:36: Ich kann das auch lösen. Ich fahre mit dem Zug, oft nehme ich das Rad mit und
00:35:40: fahre die letzten paar Kilometer mit dem Rad und manchmal holt man mich halt
00:35:45: auch vom Bahnhof ab. Okay.
00:35:50: Und du wohnst in Wien? Ich wohne in Wien, ja. Ja, genau. Aber du arbeitest auch
00:35:55: außerhalb von Wien? Ich arbeite auch außerhalb, ja.
00:36:01: Abschließend würde ich dich noch gern was fragen, nämlich so eine aktuelle Thematik.
00:36:07: Es ist ja so, in Wien gibt es ja diese Kleidersammelcontainer und die sollen
00:36:14: ja jetzt abgeschafft werden.
00:36:16: Was denkst du, welche Auswirkungen hat das auf die Art, wie Kleidung jetzt dann weiter entsorgt wird?
00:36:29: Also, ich kann mir natürlich vorstellen, dass sich viele Leute dann nicht mehr
00:36:33: die Mühe machen, das zu einer Spendenannahmestelle zu bringen und das vielleicht
00:36:39: viel im Restmüll landet.
00:36:42: Wobei man natürlich sagen muss, dass vieles, was bisher in den Kleidercontainern
00:36:47: gelandet ist, ohnehin eigentlich reif für den Restmüll gewesen wäre. Ja,
00:36:55: und ich denke oder ich hoffe, dass es dann nach einiger Zeit,
00:37:04: die Leute schaffen, die Sachen zu irgendwelchen Spenden, Annahmen,
00:37:08: Stellen zu bringen, wie gerade, wie ich ja vorhin schon gesagt habe,
00:37:11: in Wien das eigentlich sowieso sehr leicht ist.
00:37:15: Und es gibt ganz, ganz, ganz tolle Möglichkeiten, gerade für Kleidung, die,
00:37:22: an Ort und Stelle gut zu deponieren und nicht in einem Kleidercontainer,
00:37:26: wo wir ja wissen, dass viel dann in Afrika landet, dort auf dem Müll.
00:37:32: Also ich finde es eine gute Entscheidung, dass es die Kleidercontainer nicht mehr gibt.
00:37:39: Ja, ich sehe es, dass bei uns ein Müllraum sehr häufig ist, dass kläder eins
00:37:47: zu eins direkt im Müll landet ist.
00:37:50: Also was ich oft mache, ist, das geht halt bei uns, wir wohnen halt in einem
00:37:54: Haus mit 40 Parteien circa.
00:37:59: Ich misse ja zweimal im Jahr aus und das sind dann keine Riesenmengen,
00:38:03: weil ich es halt so regelmäßig mache.
00:38:04: Und ich lege die Sachen immer bei uns unten in den Hauseingang und das funktioniert
00:38:10: zum Beispiel auch sehr gut. Da gibt es immer offen bei jemanden,
00:38:14: die sich darüber freut und die Sache nimmt. Also.
00:38:21: Bevor ich es in den Müllraum lege, könnte man das vielleicht zumindest mal als
00:38:25: Zwischenschritt probieren.
00:38:29: Ja, das passiert intuitiv auch, weil viele Leute die Dinge nicht wegschmeißen
00:38:34: wollen, wenn sie in Ordnung sind.
00:38:37: Dann legen sie es auch daneben, also im Müllraum daneben. Das funktioniert bis zu einem gewissen Grad.
00:38:44: Aber ich denke, wenn die Leute jetzt keinen, weil sagen wir jetzt so große Säcke
00:38:49: mit Kleidung, Schuhen und so weiter, das ist ja auch schwer.
00:38:53: Das kannst du nicht so leicht durch die Gegend anreißen, diese Säcke und so.
00:38:59: Nicht so leicht weit transportieren. Also da habe ich schon ein bisschen die
00:39:05: Sorge, dass das eher in die andere Richtung ausschlägt.
00:39:09: Ja, das stimmt schon. Aber ich glaube, es wird immer die Leute geben,
00:39:12: die sagen, aha, okay, das gibt es jetzt nicht mehr.
00:39:14: Ich möchte es aber trotzdem gut weiterbringen und ich nehme jetzt diese kleine
00:39:19: Mühe auf mich. Also ich habe auch gesagt, wir haben kein Auto und ich nehme
00:39:23: mir dann halt ein Taxi und bringe das halt zur Stelle XY.
00:39:29: Natürlich ist es ein bisschen ein größerer Aufwand, aber ich bin sicher,
00:39:33: es wird immer Menschen geben, die sagen, gut, die nehme ich jetzt auf mich,
00:39:37: weil es mir so wichtig ist, dass die Dinge gut weiterverwendet werden.
00:39:44: Und dann wird es halt die Leute geben, die sagen, nein, das will ich nicht.
00:39:49: Man hat mir jetzt diese Bequemlichkeit genommen und jetzt schmeiße ich es halt in den Müll.
00:39:55: Oder vielleicht ist es ein Feld für ein neues Serviceangebot,
00:39:58: Dinge einzusammeln und irgendwo dann gut abzugeben.
00:40:05: Ja, gut, abschließend noch, liebe Katrin, was würdest du sagen ist dein bester Tipp,
00:40:14: damit es zu Hause ordentlich bleibt, sagen wir mal so. Also falls es schon mal
00:40:19: ordentlich ist, dass es auch nicht so ausartet.
00:40:24: Super, danke. Danke für diese Einschränkung, weil es gibt verschiedene Levels
00:40:29: im Ordnungsprozess. Aber du hast gesagt, wenn es schon ordentlich ist.
00:40:33: Also für mich sind zwei Sachen ganz wichtig. Das eine ist.
00:40:40: Und das ist jetzt banal, das ist immer alles wegräumen.
00:40:44: Also das heißt, wenn ich eine Tätigkeit beginne, ist sie erst fertig,
00:40:51: wenn alles wieder so ist wie vorher.
00:40:53: Also man kann sich das vorstellen wie einen Kreis. Der Kreis ist erst geschlossen,
00:40:57: wenn alles wieder an seinem Platz ist. Also ich nehme mal ganz gern das Beispiel Hunger.
00:41:04: Also ich habe das Projekt Hunger und mein Projekt ist nicht fertig,
00:41:08: wenn ich satt bin, sondern das letzte Stück ist, wenn alles wieder in der Küche an seinem Platz ist.
00:41:15: Und wenn man sich dieses Bild vorstellt, ich weiß, das hilft total vielen Leuten,
00:41:21: weil sie plötzlich diese Lücke vor Augen haben.
00:41:27: Was auch gut hilft, ist sich nicht zu fragen, habe ich Lust dazu oder habe ich
00:41:31: jetzt Zeit dazu oder eher habe ich Lust dazu.
00:41:35: Niemand hat Lust dazu, aufzuräumen.
00:41:38: Ich auch nicht. Sondern eher, wie lange wird es denn dauern?
00:41:43: Dann kriegt man eine ganz objektive Antwort.
00:41:46: Und die zweite Sache, die ich, also ganz viel Nein sagen.
00:41:52: Also nein, sagen Sie zum Beispiel so zu kostenlosen Giveaways.
00:41:58: Also wenn ich jetzt in einem Seminar sitze und ich weiß, ich habe daheim fünf
00:42:02: gut funktionierende Kugelschreiber, dann brauche ich den nicht mitnehmen.
00:42:08: Weil jedes Ding ist ein Job. Und ich muss mich irgendwie um diesen Kugelschreiber
00:42:12: kümmern. Und mit meinen fünf Kugelschreibern weiß ich, bin ich fürs nächste
00:42:15: halbe Jahr hervorragend ausgestattet.
00:42:19: Danke, das ist wirklich hilfreich. Das sind hilfreiche Gedankengänge.
00:42:24: Also ich glaube auch, dass wir zeitweise auch mit sehr viel unnötigem Zeug belastet
00:42:29: werden und deshalb dieses Nein-Sagen auch schon einmal eine gute Methode ist,
00:42:34: sich die Dinge fernzuhalten.
00:42:38: Genau, und de facto ist es ja so, weil du gesagt hast, man hat keine Lust,
00:42:43: man denkt oft länger darüber nach, als es dauern würde, das Ding zu erledigen, oder?
00:42:47: Hat meine Mama immer zu mir gesagt, ich habe mir gehasst den Spruch.
00:42:54: Aber da ging es um andere Sachen, so wie Stunde Klavier üben oder so.
00:42:59: Aber das sind wirklich oft Tätigkeiten, die dauern so kurz. Oder die Tasche,
00:43:04: wenn ich nach Hause komme, die Tasche gleich ausräumen mit allem,
00:43:07: was da nicht reingehört. Das ist eine Minute.
00:43:13: Ja, genau. Ja, also es gibt ja auch im Berufsleben so diesen,
00:43:24: Merksatz, so alles, was man innerhalb von fünf Minuten erledigen kann,
00:43:27: so einem sofort machen, nicht anstehen lassen und das kann man wahrscheinlich
00:43:31: auch gut auf dieses Thema übertragen und damit verleidet man wahrscheinlich auch viel Ansammlung.
00:43:40: Liebe Katrin, vielen lieben Dank, dass du da warst. Das war ein sehr interessantes
00:43:45: Gespräch und ich freue mich, dass wir auch so dieses Berufsfeld ein bisschen in,
00:43:55: den Mittelpunkt stellen konnten. Wer noch mehr dazu wissen will,
00:44:00: wir werden natürlich deine Kontaktdaten und auch die vom Verband in die Shownotes stellen.
00:44:08: Und ich kann auch verweisen an eine Folge mit Regina Halbauer,
00:44:13: die ja auch schon mal bei mir war und die auch so ein bisschen etwas über ihre
00:44:17: Geschichte in dieser Branche erzählt.
00:44:20: Und ansonsten vielen herzlichen Dank unserem lieben Publikum.
00:44:25: Danke fürs Einschalten. Danke fürs immer wieder Einschalten.
00:44:29: Und wir sehen uns wieder. Baba.
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