"Ich bin viel mehr als Zahnärztin"

Shownotes

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00:00:00: Spätestens ab dem Zeitpunkt, als ich dann 2015 Mama geworden bin,

00:00:04: war mir natürlich klar und bewusst, es ist eine ziemliche Gradwanderung.

00:00:09: Weil wenn du alleine in so einer Praxis bist und noch dazu die Zahnärztin bist,

00:00:13: das hängt ja alles an dir.

00:00:15: Wenn ich nicht am Stuhl stehe, verdiene ich kein Geld. Ist einfach so.

00:00:18: Ich kann nicht Homeoffice machen oder irgendwas.

00:00:21: Das heißt, 2015 kam mein Kind auf die Welt und ich war bis fast zum Schluss,

00:00:26: toll, toll, toll, mir ging es gut, mit dicken Bauch am Stuhl standen.

00:00:29: Hatte dann eine kurze Zeit einen Assistenten mit drinnen, aber war eigentlich

00:00:33: ab dem Punkt ziemlich zerrissen zwischen diesem Ich bin für alle da,

00:00:39: aber weder für mein Kind noch für mich.

00:00:41: Baba, Hamsterrad, Servus Berufung.

00:00:45: Hallo und herzlich willkommen beim Podcast für berufliche Veränderung, Erfüllung und Sinn.

00:00:52: Ich bin Claudia Scheer, deine Expertin für den Neustart mit all seinen Facetten.

00:00:58: Wenn du gerade merkst, dass du dich in deinem Job nicht mehr wohlfühlst,

00:01:03: du um oder wieder einsteigen möchtest, dann erfährst du hier alles über berufliche

00:01:08: Perspektiven und Karrierewege.

00:01:10: Hallo und herzlich willkommen heute wieder bei der Bar Hamsterrad.

00:01:15: Servus Berufung und ich habe wieder einen ganz, ganz lieben Gast.

00:01:20: Heute darf ich Dr. Veronika Walddörfer begrüßen. Hallo.

00:01:27: Liebe Froni. Hallo, liebe Claudia. Danke, dass ich heute hier sein darf.

00:01:32: Ich freue mich wirklich schon sehr.

00:01:34: Ja, sehr, sehr gerne. Ich finde das auch immer spannend.

00:01:43: Wenn ich mal Ärzte oder sowas habe, weil für viele ist ja der Arztberuf sozusagen

00:01:50: die Erfüllung aller beruflichen Weinen,

00:01:53: und dass es dann tatsächlich auch Ärzte gibt, die dann noch einmal irgendwas ändern oder so.

00:01:59: Das konnte ich schon in meiner Masterarbeit mit einem, habe ich ein Interview

00:02:05: gehabt mit einer Ärztin, die die Karriere komplett gewechselt hat und das finde ich urspannend.

00:02:09: Das ist ja etwas, was in der Vorstellung vieler Menschen überhaupt nicht möglich ist.

00:02:17: Und deshalb freue ich mich ganz, ganz besonders auf unser Gespräch heute.

00:02:23: Und magst du dich mal ganz kurz vorstellen?

00:02:26: Selbstverständlich gerne. Also du hast schon gesagt offiziell Dr.

00:02:30: Veronika Walther, aber für mich einfach Froni, weil ich ein Mensch bin,

00:02:33: der trotzdem, dass ich Zahnärztin bin, wirklich sehr nahbar ist und das auch wichtig findet.

00:02:39: Wer bin ich, wo komme ich her? Ich bin mittlerweile, jetzt muss ich kurz überlegen,

00:02:42: 46 Jahre alt und komme ursprünglich aus Regensburg, aus dem wunderschönen Bayern.

00:02:46: Bin dort geboren, habe dort Zahnmedizin studiert und habe dort zehn Jahre lang

00:02:51: meine eigene Zahnarztpraxis gehabt. Sehr stark, immer mit Schwerpunkt drauf,

00:02:55: Zähne zu erhalten, sprich sehr prophylaxelastig.

00:02:59: Uns hat dann das Leben 2020 nach Kärnten verschlagen. Das heißt,

00:03:02: wir wohnen seit 2020 am wunderschönen Wörthersee in Klagenfurt.

00:03:08: Bin weiterhin Zahnärztin, aber habe meine Praxis dann verkauft,

00:03:12: nach viel Überlegen, ob ich es denn machen soll oder nicht.

00:03:15: Und bin jetzt hier, das werden wir wahrscheinlich noch herläutert im Podcast,

00:03:18: auf ganz vielen verschiedenen Ebenen unterwegs.

00:03:20: Und mein Leben ist dadurch extrem bereichert worden und auch sehr bunt geworden,

00:03:26: sozusagen einmal den Karriereknick zu machen und die eigene Selbstständigkeit aufzugeben.

00:03:31: Und abgesehen von einer Zahnärztin bin ich Mama von einer 11-Jährigen,

00:03:36: bin verheiratet hier ohne Haustiere, nur du hast Katzen, wir haben keine,

00:03:40: aber wir genießen das Leben in Kärnten wirklich sehr. Ja, super.

00:03:46: Sehr schön zusammengefasst und wir werden das eh noch ein bisschen genauer besprechen,

00:03:52: aber zuerst die erste Frage, wie immer, kannst du dich erinnern,

00:03:56: was du als Kind werden wolltest?

00:04:00: Das kommt natürlich darauf an, wann als Kind. Fangen wir mal mit deiner ersten

00:04:04: Erinnerung an. Man hat ja als Kind immer so Vorstellungen. Also ich glaube,

00:04:07: eines der ersten Dinge, was ich machen wollte, war Balletttänzerin.

00:04:12: Weil ich als Kind auch Ballett getanzt habe. Und dann, also wenn es auf die

00:04:17: Zahnmedizin hernimmt, nein, das war nie mein Gedanke als Kind.

00:04:21: Eher noch die Tierärztin.

00:04:24: Aber ansonsten ich war immer so ein bisschen im Sportbereich was ich eigentlich

00:04:27: machen wollte und da war das Ballett ganz am Anfang mhm.

00:04:32: Also eine sportliche Karriere hast du angedacht. Und für welche Sportart?

00:04:38: Oh, da hatte ich gar keine genauen Vorstellungen. Ich bin jemand,

00:04:41: ich mag sehr viele Dinge. Also ich bin eher gelangweilt, wenn es immer das Gleiche ist.

00:04:45: Aber grundsätzlich alles, was Bewegung ist. Ich war, wie gesagt,

00:04:48: Ballett, Kinderturnen, dann Leichtathletik ein bisschen. Ich bin jemand,

00:04:52: der für Radfahrt, Inlineskaten. Also ich hatte keine genauen Vorstellungen.

00:04:55: Aber es war irgendwas im Bewegungsbereich auf jeden Fall.

00:04:59: Okay, in Bewegung sein oder in Bewegung bringen, je nachdem schauen wir halt einmal wissen. Genau.

00:05:06: Genau, also wie ist dann eigentlich so deine Schullaufbahn verlaufen?

00:05:13: Was hast du gemacht für eine Schule? Eigentlich total klassisch.

00:05:16: Also wenn man es jetzt betrachtet, jetzt hat man ganz viele Möglichkeiten.

00:05:19: Ich bin ganz klassisch auf die Grundschule gegangen, die sozusagen um die Ecke war.

00:05:23: Dann war ich am humanistischen Gymnasium, noch ganz klassisch mit Latein,

00:05:27: auch mit Latein Leistungskurs und Latein Abitur und hatte da auch Biologie.

00:05:32: Das heißt, schon ein bisschen dieses Mensch und Medizin war schon ein bisschen

00:05:35: mit dabei und habe dann aber nach dem Abitur erst mal entschieden, ich mache gar nichts.

00:05:43: Ich war erst mal unterwegs und habe dann was völlig anderes gemacht als die

00:05:47: Zahnmedizin. Ich habe nämlich erst mal eine Ausbildung zur Mediengestaltung gemacht.

00:05:54: Hast du mit 18 oder nach dem Abitur überhaupt eine Idee gehabt,

00:05:58: was du machen möchtest? Oder warst du so ein bisschen orientierungslos? Richtig.

00:06:03: Ich bin sozusagen vorgeprägt, mein Papa ist oder war auch Zahnarzt.

00:06:06: Das heißt, jeder hat fast erwartet von mir, dass ich Zahnmedizin studiere.

00:06:10: Interesse war schon da, handwerklich geschickt bin oder war ich auch schon immer.

00:06:15: Aber ich wollte es damals gar nicht. Also ich war schon in gewisser Weise lost. Ja, richtig.

00:06:20: So wie viele, glaube ich. Ja.

00:06:23: Ja, naja, und wenn es auch schon so konkrete Erwartungen gibt,

00:06:27: die man nicht erfüllen möchte, dann muss man halt ganz was anderes machen.

00:06:30: Wie bist du dann auf Mediendesign gekommen?

00:06:33: Ganz ehrlich, das war eher so dem geschuldet, weil es sich damals ergeben hat.

00:06:37: Das war so in, in Anführungszeichen. Noch dazu konnte ich damals nach München

00:06:41: gehen. Das war natürlich auch cool, weggehen von zu Hause.

00:06:44: Und so ein bisschen dieses Gestalterische fand ich schon ganz interessant.

00:06:47: Ich muss aber sagen, ich habe dann in den drei Jahren gemerkt,

00:06:50: dass es gar nicht das meine ist, vor allem dieses nur am Computer sitzen und

00:06:54: dieses, jetzt muss ich kreativ sein, jetzt muss ich was machen, nein.

00:06:58: Also das war für mich wichtig, für mich selber festzustellen, das ist nicht mein Weg.

00:07:04: Ja, Kreativität auf Knopfdruck ist schwierig. Genau, war ich gar nicht,

00:07:08: das hat mich voll gestresst, wirklich, wann ich es meine.

00:07:12: Ja, ich finde es auch schwierig.

00:07:16: Ich bin auch ein kreativer Mensch, aber ich muss vorher ein Bild im Kopf haben,

00:07:23: was ich machen will, dann tue ich das. Aber wenn ich das Bild nicht habe, kann ich nichts machen.

00:07:31: Ich glaube, da brauchst du auch diese volle künstlerische Ader dafür.

00:07:34: Also mein Schwiegerpapa ist so ein extrem cooler Künstler und der hat genau

00:07:38: dieses, was du sagst, ein Bild im Kopf und dann entsteht das aber auch. Fand ich nicht.

00:07:46: Okay, also hast du das fertig gemacht mit Ihrem Design?

00:07:50: Ja, das habe ich schon gemacht. Das waren insgesamt drei Jahre,

00:07:53: weil ich gesagt habe, ich habe jetzt angefangen, dann war erst ein Zwischenabschluss

00:07:56: und habe gesagt, komm, jetzt mache ich diese IHK-Prüfung noch,

00:07:58: damit ich es fix fertig habe, was auch immer danach kommt. Ja, das war mir wichtig.

00:08:03: Ja, super, sehr gut. Brav durchgehalten.

00:08:07: Und dann nach dem Abschluss, wie ist es dir dann gegangen? Weil damit war es nicht glücklich. Nein.

00:08:16: Und es war schon in diesem letzten Jahr, wo sozusagen diese praktische Tätigkeit

00:08:20: dabei war, um eben dann den offiziellen Abschluss zu kriegen,

00:08:23: war schon dann der Gedanke von mir selber einfach, vielleicht ist doch Zahnmedizin was für mich.

00:08:29: Ich habe dann wirklich viel überlegt, auch vielmals mit engen Freunden gesprochen

00:08:32: und habe wirklich in dem Jahr für mich entschieden, okay, jetzt bin ich an dem

00:08:36: Punkt, jetzt mache ich das. Jetzt möchte ich es auch wirklich.

00:08:40: Und dann bin ich eben zurück von München nach Regensburg, sprich in die Heimatstadt

00:08:44: und habe dort, 2004 war das damals angefangen zu studieren.

00:08:49: Ja, also da sieht man, dass es wichtiger ist, dass die Motivation von Ihnen kommt.

00:08:54: Richtig, genau, dass man es einfach selber möchte, ganz genau.

00:08:57: Weil ich meine, ein Studium ist ein Studium und auch ein Zahnmedizinstudium

00:09:01: ist, wie vieles andere auch, teils echt hardcore. Du musst es dann wirklich

00:09:04: wollen, sonst ziehst du es nicht durch.

00:09:07: Genau. Und du warst ja auch eine sehr leistungsorientierte Studentin.

00:09:14: Du hast geschrieben, 1,1 war deine Note oder deine Abkursquote oder so. Ja, ganz genau.

00:09:22: Ich war schon immer so, wobei, wenn ich jetzt hinten nachs überlege,

00:09:26: danach ist man ja immer schlauer, hätte ich mir sicher ein schöneres Studentenleben gönnen können.

00:09:30: Aber mein Gedanke war so dieses, hey, ich habe schon was gemacht,

00:09:33: ich bin in Anführungszeichen nicht mehr die Jüngste.

00:09:35: Mir fehlen sozusagen vier Jahre schon vorher und es war mir wichtig.

00:09:40: Es war, glaube ich, für mich wichtig, es wirklich durchzuziehen in der Regelstudienzeit,

00:09:44: aber auch dieses, vielleicht mich selber auch herauszufordern.

00:09:50: Was kann ich, was kann ich nicht? Gelernt habe ich mir schon immer leicht,

00:09:52: muss ich sagen, aber es war schon schwer.

00:09:59: Wie ist das, wenn man dann sozusagen noch den Papa im Rücken hat?

00:10:03: Ist das anspornend oder blockierend?

00:10:08: Sowohl als auch also mein Papa hatte ja eine Zahnarztpraxis zu der Zeit was

00:10:12: für mich sehr positiv war ich habe viele Patienten von ihm bekommen weil da

00:10:15: ist ja immer Mangelware im Studium er konnte mir natürlich mit vielen Dingen helfen,

00:10:20: aber er war natürlich vom Herangehen her völlig anders als ich also das heißt,

00:10:25: es war schon teilweise auch überfordernd oder vielmehr dieses jetzt soll ich

00:10:29: das erfüllen will es aber eigentlich gar nicht so wie es er praktisch macht Mhm.

00:10:36: Ihr habt ja sozusagen so einen kleinen Generationenkonflikt auch miteinander

00:10:41: gehabt, oder? Ja, schon. Ja.

00:10:44: Definitiv. Man ist klar, man muss sich überlegen, er war gut 30 Jahre vorher,

00:10:47: wobei ganz ehrlich, vom Studium her, muss man es sagen, glaube ich,

00:10:51: hat sich nichts verändert.

00:10:52: Ja, also von dem, was da echt teils abgeht, ohne jetzt als Detail zu gehen,

00:10:57: denkt man sich echt so, okay, das glaube ich wird sich nie ändern.

00:11:01: Von gewissen Angehensweisen. Aber ansonsten natürlich anders im Denken,

00:11:06: klar, du bist dann moderner unterwegs, du lernst neue Materialien kennen, neue,

00:11:10: Herangehensweisen an Technik, Digitalisierung und da ist halt vielfach auch

00:11:14: nicht mehr mitgekommen, was völlig okay ist, aber natürlich,

00:11:17: klar, kommt es dann zu Reibereien einfach auch, ja.

00:11:21: Und als du dann abgeschlossen hast, hast du dann mal als Assistenzärztin angefangen in einer Praxis.

00:11:28: Genau, das muss relativ. Sagen wir mal so, wenn du dich später kassenmäßig niederlassen

00:11:33: möchtest in Deutschland, musst du zweierlang Assistenzärztin sein,

00:11:37: das heißt in nicht selbstständiger Tätigkeit arbeiten, um dann eben die Zulassung zu bekommen.

00:11:42: Und das habe ich gemacht und da waren wir damals zwei Jahre lang in Mittelfranken,

00:11:46: haben in Arbenberg gewohnt und ich habe in Weißenburg gearbeitet und hatte echt

00:11:51: tolle Chefs, muss ich sagen, habe da sehr viel gelernt in den zwei Jahren.

00:11:55: Das ist auch wichtig, dass man da wirklich auch in die Praxis etwas eintauchen kann.

00:12:03: Das ist für uns Zahnärzte das A und O, mein Studium bei uns teilt sich ja auch

00:12:07: in diesem vorklinischen Part, wo halt die Medizin, Biochemie,

00:12:10: alles das so dabei ist, was halt die Basic ist und im klinischen Part bist du am Patienten.

00:12:15: Aber natürlich, du machst nicht gar so viel. Das dauert alles Ewigkeiten.

00:12:20: Du musst jeden Schritt herzeigen, dann wartest teilweise Ewigkeiten,

00:12:23: bis der Assistenten wiederkommt. Also du machst nicht gar so viel,

00:12:26: deswegen braucht es die zwei Jahre wirklich, dass man dich aber auch lässt.

00:12:30: Dass du wirklich Chefs hast, die dich zwar begleiten, aber du musst einfach tun. Es ist so.

00:12:35: Im Grunde wirst du das kalte Wasser geschmissen, wie viele andere Mediziner

00:12:38: auch, aber du hast immer ein Backup im Rücken, was du fragen kannst.

00:12:41: Und das hat aber extrem viel geholfen, einfach auch weiterzukommen.

00:12:46: Sich auch zu trauen.

00:12:49: Auch wenn man am Anfang angeschaut, wenn es ins Zimmer kommt,

00:12:51: dann kamen ganz oft die Fragen am Anfang, und wann kommt jetzt der Herr Doktor?

00:12:57: Ich bin nicht die Assistentin, ich behandle sie heute. Ich schaue vielleicht

00:13:00: noch so jung aus, aber ich bin schon da.

00:13:06: Ja. Ich muss ganz ehrlich sagen, mir geht das auch manchmal so,

00:13:10: also weniger wegen Herr Doktor, aber wenn die,

00:13:15: Und wenn so ein Arzt oder Ärztin sehr jung ausschaut, dann denke ich mir,

00:13:18: darf die überhaupt schon da sein?

00:13:21: Ja, natürlich. Ich meine, wir werden ja auch alle älter, also es muss ja auch was nachkommen.

00:13:28: Ist das wirklich so? Und natürlich, je nachdem, wie du am Stuhl sitzen hast,

00:13:31: der Altersgap sozusagen ist manchmal auch relativ groß.

00:13:35: Und wenn ich an mich selber denke, klar hat man auch den Gedanken so ein bisschen,

00:13:39: kann er oder sie was, ohne das jetzt negativ zu sagen, Aber natürlich einen

00:13:43: gewissen Erfahrungswert.

00:13:44: Du vertraust ja deine Gesundheit der Person an, egal in welchem Metier es ist.

00:13:50: Und das ist, glaube ich, jetzt auch schon mal ein ganz wichtiger Schritt.

00:13:55: Also wie schaffst du Vertrauen zu deinen Patienten und Patientinnen?

00:14:01: Ganz ehrlich, durch meine Art und Weise. Also so wie ich jetzt hier bin,

00:14:04: so bin ich wirklich auch in der Praxis. Also mir ist es immer wichtig,

00:14:07: echt auf Augenhöhe zu sein.

00:14:09: Mir ist ein Gespräch extrem wichtig. Eigentlich das, wofür wir sozusagen nie

00:14:14: Zeit haben, auch wenn man es mal vom Kostensatz her sieht, eigentlich keine Zeit haben dürfen.

00:14:20: Aber es ist so wichtig, gerade bei uns Zahnärzten, du musst erklären.

00:14:23: Also ich muss, ich möchte erklären.

00:14:26: Ich möchte ein Röntgenbild erklären, ich möchte den Patienten sehen,

00:14:28: ich möchte ihm verständlich erklären, was tue ich. Weil der liegt am Stuhl so

00:14:33: und kriegt ja nichts mit.

00:14:34: Das heißt, es ist dieses Persönliche und dieses Nahbare extrem Wichtige in meinem Beruf.

00:14:41: Ja, das finde ich auch. Und finde ich immer toll, wenn es erste gibt,

00:14:44: das zu machen. Es ist nicht überall selbstverständlich.

00:14:47: Ist es nicht und ich meine, ich bin auch in meinem Leben schon bei vielen Ärzten

00:14:51: gewesen und es ist für mich das Furchtbarste gewesen, wenn du reinkommst und

00:14:54: du wirst im Grunde einfach abgefertigt.

00:14:56: Geht für mich überhaupt gar nicht. Das ist einfach der Arztberuf ist Empathie,

00:15:00: und es ist, wie man so schön sagt, auch eine Art Berufung, die man macht und

00:15:04: dann gehört das für mich definitiv mit dazu.

00:15:09: Also du hast dann deine eigene Praxis gehabt, relativ lang auch, gell?

00:15:17: Genau, also es war die Praxis meines Papas, die ich übernommen habe,

00:15:20: wo ja auch jeder meinte, das ist das Beste, was einem passieren kann,

00:15:22: aber es waren sehr viele Struggles mit dabei.

00:15:25: Gut, irgendwann hat er aufgehört, Altersnähe, dann habe ich einfach weitergemacht

00:15:29: und war dann eben knapp zehn Jahre dann wirklich alleine. Also die Praxis war

00:15:33: auch nicht so groß, als dass man zu zweit, zu dritt hätte arbeiten können.

00:15:37: Und noch dazu habe ich ein sehr enges, sehr hochwertiges Arbeitsfeld gehabt,

00:15:41: sehr spezialisiert, wo du auch nicht sagen kannst, was jeder oder der Patient

00:15:46: macht, kann zu irgendjemandem gehen. Bei mir wollten die schon gewisse Leistungen einfach haben.

00:15:54: Und was hat dich dann dazu gebracht,

00:15:57: deine Praxis aufzugeben und das hinzuziehen. Erzähl mal ein paar Details, bitte.

00:16:04: Spätestens ab dem Zeitpunkt, als ich dann 2015 Mama geworden bin,

00:16:08: war mir natürlich klar und bewusst, es ist eine ziemliche Gradwanderung.

00:16:13: Wenn du alleine in so einer Praxis bist und noch dazu die Zahnärztin bist,

00:16:17: das hängt ja alles an dir.

00:16:19: Wenn ich nicht am Stuhl stehe, verdiene ich kein Geld. Ist einfach so.

00:16:23: Ich kann nicht Homeoffice machen oder irgendwas.

00:16:25: Das heißt, 2015 kam mein Kind auf die Welt und ich war bis fast zum Schluss,

00:16:30: toll, toll, toll, mir ging es gut, mit dicken Bauch am Sturm standen,

00:16:33: hatte dann eine kurze Zeit einen Assistenten mit drinnen, aber war eigentlich

00:16:37: ab dem Punkt ziemlich zerrissen zwischen diesen,

00:16:41: ich bin für alle da, aber weder für mein Kind noch für mich.

00:16:46: Also ich habe das große Glück, meine Eltern wohnten in der gleichen Stadt,

00:16:50: wir hatten auch ein Au-pair.

00:16:51: Das heißt, ich musste mir keine Sorgen machen, dass mein Kind gut versorgt ist,

00:16:54: Aber es war eher ich, wenn man dachte, will ich das wirklich mein Leben lang,

00:16:59: nie da zu sein, zwar allen Menschen zu helfen, aber eben der Rest bleibt auf der Strecke.

00:17:04: Und da kamen schon die ersten Gedanken, dieses, hey, ich weiß nicht,

00:17:07: ob die Selbstständigkeit so wirklich dauerhaft mein Thema ist.

00:17:12: Genau das ist ja würde ich sagen für viele Selbstständige oft einmal ein Thema,

00:17:19: sie machen sich vielleicht selbstständig, weil sie sich vorstellen,

00:17:23: dass sie das leichter mit Kind und Familie und so weiter,

00:17:27: unter den Hut bringen können aber de facto ja.

00:17:34: Ist es nicht immer so, oder? Richtig. Zumal man auch sagen muss,

00:17:38: man wird ja auch mit einer eigenen Praxis völlig ins kalte Wasser geschmissen.

00:17:42: Also du kannst dann vielleicht auch eben nach der Assistenz und so weiter behandlungstechnisch

00:17:46: sehr viel, aber wir lernen weder was über Personalführung, über BWL,

00:17:52: über wie werde ich Unternehmerin, wie schreibe ich einen Businessplan.

00:17:55: Das bringt uns ja keiner bei.

00:17:56: Jetzt habe ich einen Mann, der ist Betriebswirt, der hat mir viel helfen können.

00:17:59: Aber ansonsten ist dieser Alltag einer Selbstständigen, egal was es jetzt ist,

00:18:05: ja geprägt durch so viel.

00:18:07: Du bist am Patienten, dann hast du aber noch den ganzen Organisationszeug hinten

00:18:11: dran, dann ist vielleicht wieder irgendeiner krank, dann musst du Ersatz organisieren.

00:18:14: Und das hat mich immer mehr müde gemacht. Auch die ganzen Auflagen,

00:18:19: die dazu kamen von der Selbstständigkeit, von der Hygiene und so weiter.

00:18:23: Dass ich mir gedacht habe, das ist eigentlich nicht das, was ich mir vorgestellt

00:18:26: habe, dass sie wirklich nur ständig irgendwo gefühlt ein Feuer löschen muss.

00:18:32: Und dann restlich bleibt wenig Energie eigentlich dann übrig.

00:18:36: Vor allem für die Tätigkeit, die Spaß macht. Richtig, genau.

00:18:39: Und dann kommst du heim nach einem Zehn-Stunden-Tag und hast dein kleines Kind.

00:18:44: Dann will das Kind natürlich auch die Mama und du bist aber eigentlich völlig fertig.

00:18:47: Du bist einfach kaputt. Du würdest dir gerne mal eine Stunde auf die Couch legen

00:18:50: und nichts tun. Aber natürlich ist der kleine Zwerg da, der dich auch braucht.

00:18:54: Und das ist schon für ihn eine Herausforderung. Man kann immer nur für mich

00:18:57: sprechen, aber für mich war dieser Gedanke immer mehr, na, das ist nicht mein Leben dauerhaft.

00:19:02: Und hast du überlegt, generell, also abgesehen von selbstständig angestellt,

00:19:09: aus dem Beruf auszusteigen? War das eine Überlegung?

00:19:13: Na, ganz nie. Also natürlich habe ich überlegt, ob es was komplett anderes gäbe,

00:19:17: hätte aber heißen, ich hätte nochmal irgendwas komplett Neues von Anfang an machen müssen.

00:19:22: Das heißt, nein, komplett aussteigen nicht, aber natürlich immer der Versuch

00:19:27: zu überlegen, was kann ich denn eigentlich sonst noch als Zahnärztin?

00:19:31: Und das ist schon so ein Switch, den du im Kopf kriegen musst,

00:19:33: weil für mich war einfach klar, eine Zahnärztin steht immer am Stuhl und arbeitet

00:19:38: dort. Die kann nichts anderes machen.

00:19:41: Mittlerweile weiß ich ja, dass es was anderes gibt.

00:19:44: Aber damals war ich eben noch nicht so weit. Aber ganz aufgeben möchte ich auch

00:19:48: jetzt nicht. Ich mache dafür meinen Beruf einfach zu gerne.

00:19:52: Also euch hat es dann nach Klagenfurt verschlagen? Genau.

00:19:57: Und dort bist du jetzt tätig, angestellt. Angestellt bei einer... Bei einer Anfahrt.

00:20:05: Ganz genau richtig. Also Österreich ist ein bisschen anders als Deutschland.

00:20:08: Das heißt, du kannst dich hier in einer normalen Praxis nicht anstellen lassen,

00:20:11: da bist du immer selbstständig tätig.

00:20:13: Und ich bin eben hier bei einem großen Versicherungsträger tätig,

00:20:16: ähnlich so ein medizinisches Versorgungszentrum.

00:20:19: War aber von Anfang an für mich auch klar, nachdem wir praktisch ein ganzes

00:20:22: Jahr ausgesetzt haben mit Umzug und allem, ich werde nicht mehr Vollzeit am Stuhl arbeiten.

00:20:27: Das war mir bewusst und deswegen bin ich Teilzeit gerade hier angestellt.

00:20:30: Das ist so mein Grundrauschen der Zahnmedizin, wo ich einfach auch viel helfen kann.

00:20:35: Und dann kamen ja noch ein paar andere Dinge in mein Leben. Genau,

00:20:39: erzähl mal, was kam denn noch in dein Leben?

00:20:42: Es sind eigentlich zwei Dinge, die dann so nach und nach gekommen sind.

00:20:45: Also auf der einen Seite mal arbeite ich ja mit den österreichischen Verlienunternehmen

00:20:49: zusammen, sprich bin ich im Network Marketing tätig.

00:20:52: Das war seit September 2022, was mir über eine Freundin eben den kompletten

00:20:58: Switch im Kopf gegeben hat, genau was ich gesagt habe, ich kann was ganz anderes machen.

00:21:03: Ich habe vor allem einen gewissen Background, bei dem mir Gesundheit wichtig

00:21:06: ist, aus dem heraus, dass ich Medizinerin bin, aber auch aus meiner eigenen

00:21:09: Geschichte heraus, weil mir da auch viele Dinge passiert sind und ich dachte,

00:21:13: okay, man könnte den Körper besser unterstützen.

00:21:16: Und da vor allem zu merken, okay, dieses Ding da habe ich immer dabei und wenn

00:21:21: ich Lust habe, Arbeite ich damit? Was? Wenn nicht, dann halt nicht.

00:21:26: Eine völlige, kannst du sagen, risikolose Selbstständigkeit.

00:21:30: Und das war für mich so schön. Ich gehe da so drin auf, daugt mir voll,

00:21:34: Menschen zu helfen und gleichzeitig zu sagen, okay, ich kann am Strand arbeiten.

00:21:38: Ich möchte, ich brauche keinen Stuhl. Genau.

00:21:43: Damit unser Publikum klar hat, du darfst ruhig Namen nennen,

00:21:46: was du da machst, weil sonst ist es so abstrakt, dass ich mir das vorstellen

00:21:50: kann. Alles klar. Wenn du sagst, ich darf, dann nenne ich es natürlich auch. Ja, klar.

00:21:54: Also ich arbeite mit Hingana, zusammen. Das ist ein österreichisches Familienunternehmen,

00:21:58: was es jetzt 20, 26, seit 30 Jahren dann gibt.

00:22:02: Und wir sind sozusagen, nennen wir es mal federführend, auf dem Gebiet,

00:22:06: dass es die sogenannte frische Kosmetik gibt.

00:22:09: Das heißt, unsere Produkte werden immer, wie der Name sagt, frisch produziert.

00:22:13: Haben keine Konservierungsstoffe, nichts drin. Also egal, ob das das Gesichtspflege

00:22:17: ist, eine Bodymilch ist, ein Fußball ist oder was auch immer.

00:22:20: Und deswegen kann es nicht im Handel zu bekommen sein, weil da braucht es ja

00:22:25: Mindesthaltbarkeitsdaten, sondern deshalb braucht es uns als Bindeglied,

00:22:29: um eben einfach diese Produkte empfehlen zu dürfen. Und genau das tue ich.

00:22:34: Und das eben, wie gesagt, seit gut drei, dreieinhalb Jahren.

00:22:37: Habe dann einen relativ großen Kundenstand mittlerweile, habe auch Partner,

00:22:41: die mit mir gemeinsam arbeiten.

00:22:43: Also dieses klassische, passive Einkommen, was man vielfach ja kennt,

00:22:47: aber auf eine wirklich komplett seriöse Art und Weise, weil da bin ich ja auch

00:22:51: mit allem konfrontiert worden am Anfang, als ich angefangen habe.

00:22:54: Was ich denn da jetzt eigentlich mache, ob ich denn jetzt als Medizinerin irgendwie

00:22:59: Verstand verloren hätte. Ja, glaub nicht, was da alles gekommen ist.

00:23:02: Ja, kann man mir vorstellen.

00:23:06: Was hast du gemacht, wenn solche Einwände gekommen sind?

00:23:10: Und ganz am Anfang war ich völlig überfordert damit, weil ich mich auch selbst

00:23:15: nicht so tief mit der Materie beschäftigt bin. Ich bin grundsätzlich ein Typ,

00:23:18: ich entscheide vieles aus dem Bauch.

00:23:20: Und wenn ich denke, das ist gut, dann mache ich es einfach.

00:23:24: Ohne großartig wirklich manchmal nachzufragen, ob es wirklich so gut ist. Ich fühle das einfach.

00:23:29: Und ich habe dann wirklich lernen müssen, mit diesen Einwänden umzugehen,

00:23:33: aber einfach dadurch gelernt, dass ich mich informiert habe.

00:23:36: Ich habe Bücher gelesen, Podcasts zum Thema gehört.

00:23:39: Natürlich bin ich ja eingebettet in ein riesengroßes Team, die hier seit 15,

00:23:42: 20, 30 Jahren mit dem Unternehmen arbeiten.

00:23:45: Aber der größte Game Changer war für mich, mir das Unternehmen anzuschauen.

00:23:50: Und es ist ja nicht so weit weg von uns. Ich fahre gut eineinhalb Stunden nach

00:23:53: Hartberg oder vielmehr nach St. Johann in der Heide.

00:23:56: Und wenn du dann dort stehst und das spürst und siehst und mit den Geschäftsführern

00:24:00: dich unterhältst, das war das letzte bisschen, was mir das Vertrauen gegeben

00:24:04: hat, dass alles passt, was hier wirklich behauptet wird sozusagen.

00:24:10: Genau.

00:24:12: Ja, sehr gut. Also auch das ist eine Möglichkeit. Absolut.

00:24:17: Und dann ist ja noch was dazugekommen, oder? Der ist ja nicht fad geworden.

00:24:23: Richtig, nein, ist es nicht.

00:24:25: Also ich werde grundsätzlich nie fahren. Wie gesagt, ich bin jemand,

00:24:28: der echt sehr, sehr gerne aktiv ist.

00:24:31: Und damals eben, als ich in Rigengana gestartet habe, haben alle gesagt,

00:24:34: ich muss unbedingt auf Instagram. Oh Gott, Instagram, kenne ich mich null aus.

00:24:39: Ich war ein bisschen auf Facebook, aber na gut, mach mal einen Account.

00:24:42: Und dann stolpert man natürlich über verschiedenste Dinge drüber,

00:24:45: verliert sich natürlich ganz oft auch in diesem Dschungel.

00:24:48: Aber so bin ich durch, der Algorithmus weiß es ja dann, durch diese ganzen Themen

00:24:53: der ganzheitlichen Gesundheit, ganzheitliche Zahngesundheit und so weiter,

00:24:57: irgendwann auf den Begriff der Dentosophie gekommen.

00:25:02: Okay, was ist das? Genau. Dentosophie heißt mal ganz wörtlich übersetzt die

00:25:07: Weisheit der Zähne und beschäftigt sich mit dem Thema Atmen, Schlucken und Kauen.

00:25:14: Jetzt könnte man ja sagen, können wir ja eigentlich alle. Du kannst atmen,

00:25:18: ich kann auch atmen, du hast gerade runtergeschluckt, kannst du also auch.

00:25:22: Und Kauen tun wir ja auch jeden Tag.

00:25:24: Aber, und das durfte ich selber dann lernen auf dieser Reise seit fast zwei

00:25:28: Jahren, wir können es nicht richtig.

00:25:30: Der größte Teil macht irgendwas falsch dabei oder hat irgendwas falsch implementiert,

00:25:37: warum die Zunge nicht mehr richtig liegt, warum der Mund offen ist,

00:25:40: schnarchen, durch den Mund atmen, auch schon bei Kindern.

00:25:44: Und das hat so extreme auf die komplette Gesundheit und das Thema hat mich extrem

00:25:50: angefixt, als ich da eben vor gut zwei Jahren zum ersten Mal über Instagram rübergestolpert bin,

00:25:56: und dachte mir so, oh mein Gott, das hat uns kein Mensch beigebracht,

00:25:59: atme ich überhaupt nicht dich und dann kommst du natürlich wieder und gehst

00:26:03: in die Tiefe und liest Bücher und dann bin ich abschließend halt hergegangen

00:26:07: und habe gesagt, okay, dann mache ich noch die Ausbildung drin.

00:26:11: Dass ich da noch Kleines Lernen, gell? Ja, genau. Immer mit was Neues.

00:26:17: Okay. Und welche Menschen kommen

00:26:19: jetzt zu dir? Oder was haben die für ein Problem, wenn sie zu dir kommen?

00:26:23: Also wir teilen es mal auf in Kinder und Erwachsene. Bei den Kindern ist der

00:26:28: Hauptfokus wirklich der, entweder Mundatmung oder aber dieses Thema Engstand im Kiefer.

00:26:36: Also die Zähne haben keinen Platz. Du hast irgendwie einen Vorbiss.

00:26:39: Die Zähne sind verschoben.

00:26:41: Weil wir eben, wenn wir nicht richtig atmen, schlucken und kauen,

00:26:45: meistens eine falsche Zungenlage haben.

00:26:48: Die Zunge liegt dann unten, nicht oben. Und wenn sie nicht oben ist,

00:26:53: haben eigentlich die Kinder keine Chance, den Oberkiefer, den Gaumen auszuformen.

00:26:58: Dann bleibt er eher schmal, dann haben wir vielleicht noch einen Schnulli am

00:27:01: Anfang oder eine Flasche oder irgendwas.

00:27:03: Und wenn da nichts in die Weite geht, dann können die Zähne gar keinen Platz haben.

00:27:08: Das heißt, der Fokus bei den Kindern ist, Raum zu schaffen.

00:27:11: Für die Zähne, für die Zahnstellung wegzukommen von der Mundatmung,

00:27:16: was ja auch oftmals diesen Teufelskreis hat, wir atmen durch den Mund,

00:27:20: dann kommen die Polypen, die vergrößerten Mandeln, die Kinder sind ständig krank,

00:27:23: haben HNO-Infas, so heißen Nasenohreninfekte,

00:27:26: Mittelohrentzündung, Paukenröhrchen, OPs, bla bla bla.

00:27:29: Diesen Teufelskreis zu durchbrechen und das gesamte Wachstum damit einfach positiv

00:27:34: zu unterstützen und halt Schäden noch vorzubringen für später.

00:27:38: Genau. Und die Erwachsenen haben meistens andere Themen. Da sind wir schon auch

00:27:42: in der, nennen wir es mal in Anführungszeichen, Zahnregulierung drinnen,

00:27:46: aber ganz oft echt in dem, was uns alle betrifft heutzutage, Stressregulation.

00:27:50: Knirschen, Pressen, Kiefergelenksbeschwerden, ein bisschen so Tinnitus,

00:27:54: Hörsturz, Halbungsgeschichten, die alle da anfangen.

00:27:58: Also ein bisschen anderer Fokus, vielmehr auch so ein bisschen auf die emotionale

00:28:02: Geschichte, die wir auch in der Dentosophie sehr schön mitherapieren können.

00:28:08: Und hast du auch...

00:28:12: Methoden für Angstpatienten, weil Zaunat ist ja für viele so.

00:28:18: Ein Thema. Also Methoden würde ich jetzt nicht sagen, wie vorher schon gesagt,

00:28:23: es kommt echt immer darauf an, wie du echt auf einen Patienten zugehst, wie du dich gibst.

00:28:28: Aber ich arbeite zum Beispiel auch sehr gerne mit ätherischen Ölen.

00:28:31: Also wie mir, wenn du in die Ordination hast, in Österreich praktisch die Praxis,

00:28:36: der Praxisraum, wenn du reinkommst, dann ist immer der sogenannte Diffuser an.

00:28:40: Das heißt, es riecht schon mal immer gut, genauso Also wenn ich hier Dentosophie

00:28:44: mache oder spezielle Öle, einfach Atemtechniken auch, um die Patienten runterzukriegen.

00:28:49: Aber wie gesagt, gerade am Stuhl ist es echt vielmehr dieses,

00:28:52: ich hole dich ab, wo du stehst, ich erkläre dir alles, ich bin einfach für dich da.

00:28:58: Und hat sich die Tätigkeit im Bereich

00:29:03: Dentosophie auch auf deine normale zahnärztliche Tätigkeit ausgewirkt?

00:29:08: Absolut. Also gerade, dass ich angefangen habe, mich wirklich einzulesen in das Thema...

00:29:13: Ich schaue den Patienten mittlerweile völlig anders an. Also die Lupe sieht

00:29:17: nicht nur die Zähne jetzt, ob da irgendwas kaputt ist, sondern die Lupe kommt auch runter.

00:29:21: Und dann schaue ich mir halt an, wie schaut der Patient überhaupt aus?

00:29:24: Oder Kind, haben die Augenringe, weil die total unausschlafen sind,

00:29:28: weil sie eben durch den Mund atmen?

00:29:30: Oder wie schaut die Zunge aus? Wie ist das Lippenband? Wie beißt er zusammen?

00:29:33: Wie ist die Haltung? Eher so oder eher nach hinten?

00:29:36: Also der gesamte Blick verändert sich komplett auf den Patienten.

00:29:41: Und spannenderweise, wenn ich Kinder am Stuhl habe, dann kann ich dir anhand

00:29:46: von der Biss-Situation sagen, wie das Kind charakterlich drauf ist.

00:29:51: Interessant. Das ist mega spannend zu sehen, weil es gewisse Formen gibt,

00:29:57: wo du genau weißt, das zurückhaltende Kind, dieses Kind, was sich nicht traut

00:30:01: oder das andere Kind, was so, hier bin ich.

00:30:04: Ganz, ganz spannend und auch spannend, dann im dentosophischen Begleitungsjahr,

00:30:09: zu sehen, wie verändern sich die Kinder.

00:30:13: Ja, also das ist immer spannend, wenn man die Veränderung begleiten kann.

00:30:18: Ja, und das mit dem Biss, das kann ich total nachvollziehen, weil im Profiling und,

00:30:23: auch im Gesichtlesen gibt es ja einfach sehr, sehr viele Parameter sozusagen,

00:30:30: wo du gewisse Dinge ablesen kannst und nicht auch am Gebiss.

00:30:35: Absolut, also wirklich, ich meine, ich weiß nicht, ob du das Buch von James

00:30:39: Nestor kennst, Breathe oder Atem auf Deutsch, wenn nicht unbedingt lesen, ist mega spannend.

00:30:44: Und da geht er ja ganz auf das ein, wo wir sozusagen herkommen.

00:30:48: Wie haben unsere Schädel vorher ausgeschaut?

00:30:51: Wie haben sie sich im Laufe der Zeit entwickelt? Warum sind manche,

00:30:54: keine Ahnung, vielleicht in Stämmen, wo wir Richtung Afrika gehen,

00:30:57: warum haben die kein Thema mit Zahnendständen?

00:31:00: Weil die ganz anders leben, weil die anders essen, weil die anders kauen.

00:31:04: Und da kann man, wie du sagst, so viel ablesen.

00:31:07: Und eben, wie vorher schon gesagt, auch emotionale Themen echt schön ablesen.

00:31:11: Die Zähne stehen auch abschließend für etwas und haben eine Verbindung zum Rest.

00:31:16: Ja, sehr schön.

00:31:22: Wenn du so einen Tipp geben könntest,

00:31:26: für Menschen, die einfach merken, beruflich ist es jetzt nicht mehr genau das,

00:31:33: was sie machen möchten, was würdest du empfehlen?

00:31:38: Ganz ehrlich, ganz arg auf sich selber hören und vor allem sich trauen.

00:31:43: Ich bin ja mit vielen wirklichen Gesprächen, auch mit vielen Kollegen,

00:31:47: Kolleginnen, habe auch damals, als ich weggegangen bin und die Praxis verkauft,

00:31:50: habe ganz oft den Satz gehört, das würde ich mich nicht trauen.

00:31:54: Ich sage ja, warum denn nicht? Was kann denn abschließend an sich passieren?

00:31:58: Also auch bei mir könnte ich sagen, mein Gott, im Birthcase stelle ich mir wieder

00:32:02: 40 Stunden irgendwo einen Stuhl, wenn da irgendwie alles nicht mehr funktioniert.

00:32:05: Also ich glaube, das ist das größte Problem von den Menschen,

00:32:09: Angst zu haben natürlich vor

00:32:10: dem, was passieren könnte und dann diesen nächsten Step nicht zu gehen.

00:32:15: Weil abschließend weißt du es nie. Keine Ahnung, hat mir auch keiner sagen können

00:32:20: oder vor sechs Jahren, als wir entschieden haben, hierher zu gehen,

00:32:22: hätte auch völlig schief gehen können.

00:32:24: Aber ich glaube, wenn du offen bist für neue Dinge, wenn du wirklich auch es

00:32:29: zulässt, dass neue Dinge passieren, dann kann es meiner Meinung nach nur gut werden.

00:32:34: Und ich glaube, gerade bei uns Medizinern, die wir auf den Kopf hängen und so

00:32:38: sehr in diesem strukturierten Denken drin sind, darf genau da der Switch auch kommen.

00:32:43: Und das, was ich ganz am Anfang gesagt habe, mittlerweile sage ich,

00:32:46: ich bin so viel mehr als Zahnärztin und ich muss nicht mehr im Stuhl stehen.

00:32:50: Aber auch als Denthosophin stehe ich nicht am Behandlungsstuhl.

00:32:53: Ich bin praktisch in dem Raum, wo ich jetzt auch bin. Ich habe ein Umfeld,

00:32:56: da ist kein Stuhl, kein Geräusch, kein gar nichts.

00:32:58: Da ist eine Liege, die steht da hinter mir und mehr brauche ich nicht.

00:33:01: Also auch diesen Switch zuzulassen, weg von diesem, was man so kennt, hin wo ganz anders.

00:33:09: Sehr, sehr spannend. Also danke für diesen Tipp aus der Praxis.

00:33:15: Das finde ich immer ganz wichtig, dass das auch jemand sozusagen sagt,

00:33:20: der das quasi mitgemacht hat. Ja. Und das...

00:33:27: Wenn wir uns in ein paar Jahren hören und noch mal sehen würden,

00:33:33: was glaubst du, was bis dahin passiert ist?

00:33:36: Boah, das ist eine Frage.

00:33:39: Wir müssen in ein paar Jahren wieder hören, was bis dahin passiert ist.

00:33:44: Also ich weiß ganz, ganz sicher, dass ich noch viel mehr möchte als jetzt und

00:33:49: zwar noch viel mehr den Menschen helfen möchte, aber mittlerweile sage ich auch

00:33:54: viel mehr mir noch helfen möchte.

00:33:56: Das heißt wirklich, ich glaube, in fünf oder zehn Jahren stehe ich an dem Punkt,

00:34:01: wo ich noch lockerer durchs Leben gehe als jetzt.

00:34:04: Weiterhin schon als Medizinerin, aber vielleicht gar nicht mehr im Stuhl. Ich weiß es nicht.

00:34:09: Da bin ich mir nicht sicher, ob das mich mein Leben lang begleiten wird,

00:34:12: weil ich immer mehr merke, wie der Freiheitsgedanke in mir kommt.

00:34:16: Einfach zu sagen, hey, es gibt noch so viele schöne Dinge in diesem Leben,

00:34:20: die ich erleben möchte mit meinem Kind, mit meiner Familie.

00:34:24: Und da braucht man einfach Zeit und natürlich auch Geld dafür,

00:34:27: was man machen möchte, genau. Und deswegen echt immer offen sein für alles.

00:34:32: Es gibt für mich keine, es geht nicht. Könntest du dir vorstellen,

00:34:35: dass du eventuell auch ins Ausland gehst und mal irgendwie so in Richtung.

00:34:43: Entwicklungshilfe irgendwo in einem Krankenhaus oder sowas?

00:34:48: Ja, könnte ich definitiv. Habe ich auch wirklich während meines Studiums gemacht.

00:34:52: Ich war damals knapp fünf Wochen in Südermehelker in Ecuador und habe da in der Klinik gearbeitet.

00:34:58: War wunderschön, weil du auch da natürlich mega viel bewirken kannst.

00:35:03: Wenn mein Kind ein bisschen älter ist, ja, könnte ich mir vorstellen.

00:35:06: Da definitiv auch nochmal zu sagen, hey, ich helfe woanders mit.

00:35:10: Spannende Geschichte. wieder noch da. Also dann gib Bescheid,

00:35:13: weil dann reden wir noch. Ja.

00:35:19: Liebe Vroni, vielen Dank, dass du da warst und danke, dass du deine Geschichte

00:35:24: geteilt hast. Heute mal aus einer ganz anderen Perspektive, als wir das meistens haben. Vielen Dank.

00:35:30: Sehr, sehr gerne. Und unser liebes Publikum, vielen Dank, dass ihr wieder dabei

00:35:36: wart, dass ihr eingeschaltet habt und dass so viele immer wieder einschalten

00:35:42: und ich freue mich, wenn wir uns nächste Woche wieder hören.

00:35:45: Baba. Ciao.

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