Folge 77 - Karrierewechsel nach Burnout: Bettinas Weg aus der Bank - Bettina Kuschey im Interview
Shownotes
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Transkript anzeigen
00:00:01: Man hat ja oft so dieses Gefühl, es gibt nichts anderes.
00:00:04: Ich kann mich noch ganz genau erinnern, in meiner Bankzeit, ich hatte so diese
00:00:08: Idee in meinem Kopf, ich bin ein absoluter Fachtrottel, unter Anführungsstrichen.
00:00:15: Ich habe 20 Jahre lang in der Bank gearbeitet, ich habe da studiert,
00:00:19: ich kann ja gar nichts anderes als das.
00:00:23: Und das würde ich auch gern so deinen Hörern mitgeben, man darf sich nicht immer
00:00:29: alles glauben, was man denkt, ja, weil.
00:00:44: Deine Expertin für den Neustart mit all seinen Facetten.
00:00:49: Wenn du gerade merkst, dass du dich in deinem Job nicht mehr wohlfühlst,
00:00:53: um oder wieder einsteigen möchtest, dann erfährst du hier alles über berufliche
00:00:58: Perspektiven und Karriereliegen.
00:01:01: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Barbar Hamsterrad Servus Berufung.
00:01:06: Und heute habe ich wieder einen sehr, sehr lieben Gast.
00:01:10: Bettina Kuschai ist hier bei mir im Studio. Ja, vielen Dank,
00:01:14: liebe Bettina, dass du gekommen bist.
00:01:16: Danke für deine Einladung, Claudia.
00:01:19: Sehr, sehr gerne. Bettina, magst du uns ein paar Eckpfeiler sagen von deinem
00:01:28: Leben quasi, jetzt aber nur so mal so Grund, wo kommst du her,
00:01:32: was machst du im Groben?
00:01:38: Ja, sehr gerne, Claudia. Also komme ich geografisch aus Wien,
00:01:43: bin mittlerweile Wahlniederösterreicherin und habe die Hälfte meines Lebens
00:01:48: in der Bankbranche verbracht und bin seit mittlerweile drei Jahren jetzt selbstständig
00:01:54: und bin als Unternehmensberaterin,
00:01:56: Generationencoach unterwegs und begleite Menschen bei Konflikten. Genau.
00:02:04: Genau, das sind ja einige ganz spannende Themen und wir fangen wie immer mit der ersten Frage an.
00:02:11: Bettina, kannst du dich erinnern, was du als Kind werden wolltest?
00:02:15: Das ist total spannend, weil ich wusste nicht, was ich werden wollte,
00:02:20: aber ich wusste, was ich nicht machen wollte.
00:02:23: Das war immer ganz präsent. Ich wusste immer, ich möchte nie in eine Bank gehen. Na, okay, wirklich.
00:02:31: Ja, das war auch so dann im letzten Jahr, im letzten Schuljahr bei der Matura.
00:02:37: Alle haben irgendwie schon eine Idee gehabt, gehen Sie studieren oder machen Sie sonst was.
00:02:41: Und für mich war ganz klar, ich gehe nicht studieren und ich werde nie in eine Bank gehen.
00:02:46: Ja, vier Monate nach der Matura bin ich dann in der Bank gelandet.
00:02:53: Und bin dann dort auch tatsächlich 21 Jahre geblieben.
00:02:56: Also, naja. Aber kannst du das festmachen, was dich da so in dir gesträubt hat bezüglich Bank?
00:03:06: Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was Bank bedeutet.
00:03:09: Für mich war eine Bank eine Bankfiliale, wo du am Schalter stehst und das Sparbuch
00:03:14: damals noch abstempelst und Geld auszahlst und Geld kassierst.
00:03:18: Dass es dahinter auch andere Dinge in einer Bank gibt, war mir zu dem Zeitpunkt
00:03:23: überhaupt nicht bewusst. Ja, also das heißt, so kassieren war so nicht so der Ding.
00:03:30: Nein, generell auch dieses am Schalter stehen. Also ich habe jahrelang während
00:03:34: meiner Schulzeit im Gastgewerbe gearbeitet und dort wahnsinnig viel mit Menschen
00:03:39: zu tun gehabt und wusste dann nach diesen Jahren,
00:03:43: okay, ich möchte einen Job, wo ich jetzt nicht den ganzen Tag mit Menschen zu tun habe.
00:03:48: Ja, okay, ich verstehe. Naja, das ist ja auch wichtig zu wissen, was man nicht will.
00:03:56: Und was war der Turning Point, als du dann doch in der Bank gelandet bist?
00:04:04: Der Turning Point waren sicher meine Eltern, weil die gesagt haben,
00:04:08: dann so im späten August, also
00:04:10: entweder inskribierst du jetzt auf der Uni oder du suchst dir einen Job.
00:04:15: Ich habe dann tatsächlich auf der Uni inskribiert. Das war aber auch das einzige
00:04:19: Mal, dass ich auf der Uni war zum inskribieren.
00:04:22: Und habe dann angefangen, mich zu bewerben. und habe dann wirklich viele Bewerbungen geschrieben,
00:04:31: relativ viele Absagen bekommen, habe es irgendwie dort probiert,
00:04:34: wo es alle anderen probiert haben aus meiner Klasse, halt so in Anwaltskanzleien etc.
00:04:39: Spannend war ja, ich meine, das ist ja schon ein paar Jährchen her,
00:04:43: dass ich maturiert habe und damals war es tatsächlich noch so,
00:04:46: die Burschen sind eigentlich fast alle studieren gegangen oder halt zum Bundesheer
00:04:50: und die Mädels haben sich in so klassischen Berufen beworben.
00:04:56: Anwaltskanzlei, Sekretariat etc.
00:04:58: Und ich habe es dort auch probiert und hat aber nicht funktioniert.
00:05:02: Und ich bin dann damals Personalvermittlungsfirma eigentlich in die Bank gekommen.
00:05:08: Also ich habe mich bei dieser Personalvermittlungsfirma beworben und die haben
00:05:12: mir dann einige Jobs halt gezeigt, die offen wären.
00:05:15: Und sie durften damals aber nie dazu sagen, wer der Kunde halt quasi ist.
00:05:20: Nur die Branche und sie haben mir damals dann gesagt Finanzbranche und auch
00:05:25: da habe ich noch nicht geschnallt, okay, das könnte die Bank sein,
00:05:28: und ja, so bin ich dann damals in die Bank gekommen und es war aber ein riesengroßes
00:05:34: Projekt, in dem ich gelandet bin.
00:05:36: Es war damals die Fusion von zwei der größten Banken in Wien und es war nicht
00:05:42: in der Filiale, sondern es war im Hintergrund, also in der Zentrale und.
00:05:49: Ich war sehr überrascht, weil mir die Tätigkeit eigentlich totalen Spaß gemacht hat.
00:05:54: Was war so deine Tätigkeit? Ich habe damals begonnen im Treasury Backoffice.
00:06:01: Also das war die erste Abteilung, die zusammengelegt worden ist.
00:06:05: Im Treasury hast du ja wenig Kontakt zu Privatkunden, sondern das ist ja mehr
00:06:10: so das Geschäft zwischen Banken, das gemacht wird.
00:06:13: Oder halt mit Großkunden, großen Firmen etc.
00:06:18: Und ja, für mich war das damals total spannend.
00:06:21: Es war auch, wenn ich so zurückdenke, die schönste Arbeitszeit, die ich hatte.
00:06:27: Wir waren ein riesen Großraumbüro, also weit entfernt von dem,
00:06:32: was heute als Großraumbüro bezeichnet wird.
00:06:34: Zu Spitzenzeiten waren wir an die 120 Menschen in einem Büro und nachdem das
00:06:41: damals so eine riesige Fusion war,
00:06:44: hatten wir total viel Leibpersonal und nicht nur Leibpersonal aus Österreich,
00:06:50: sondern auch internationales Leibpersonal.
00:06:52: Und es war irgendwie immer so ein Kommen und Gehen und es war,
00:06:56: ja, obwohl wir extrem viel zu tun hatten, wirklich viel zu tun hatten,
00:07:01: war immer eine gute Stimmung und es ist immer der Schmähkrend.
00:07:04: Und ich glaube, das war das, was mir dort persönlich einfach auch so getaugt hat.
00:07:11: Wenn du so lange in der Bank geblieben bist, dann hast du sicher auch diese
00:07:16: ganzen Entwicklungen mitbekommen mit diesen Bankenfusionen, dass die Filialen immer weniger werden,
00:07:25: dass die Digitalisierung zugenommen hat und so.
00:07:28: Wie hast du das erlebt aus deiner internen Sicht?
00:07:34: Es war eine spannende Zeit, vor allem die Zeit der Fusionen.
00:07:39: Ich habe einige mitgemacht.
00:07:40: Ich war in einigen Häusern tätig, die zusammengelegt wurden,
00:07:44: die es heute gar nicht mehr gibt.
00:07:47: Und das war immer wieder sehr spannend.
00:07:52: Dass die Filialen immer weniger werden, war klar.
00:07:55: Also jedes Unternehmen schaut heutzutage, wie es einsparen kann.
00:08:01: Und Personalkosten sind halt einmal hohe Kosten, das weiß eh jeder.
00:08:06: Wenn man die sparen kann, ist natürlich jedes Unternehmen froh.
00:08:11: Wenn du mich jetzt persönlich fragst, was ich davon halte, aus nicht wirtschaftlicher
00:08:16: Sicht, muss ich sagen, ist es natürlich Wahnsinn, weil die Menschen immer mehr
00:08:20: dahingetrieben werden, alles digital zu machen.
00:08:22: Das mag für jüngere Generationen spielend einfach sein.
00:08:27: Wenn ich aber jetzt denke an die ältere Generation, die nicht damit aufgewachsen
00:08:31: ist und die gerne das Geld noch am Sparbuch gehabt hat und gerne noch Kontakt
00:08:36: zum Bankberater gehabt hat, dann finde ich natürlich, ist es ein Wahnsinn diesen Menschen gegenüber.
00:08:43: Das stimmt. Also so, dass man seinen Bankberater persönlich gekannt hat und
00:08:48: dass da einer jahrelang für einen zuständig war allein schon,
00:08:53: das hat sich wirklich sehr aufgehört.
00:08:55: Das gibt es überhaupt nicht mehr. Ich brauche nur daran denken,
00:08:57: wie ich für meine Firma jetzt ein Bankkonto eröffnet habe.
00:09:00: Also ich bin so der Mensch, ich gehe normalerweise nicht in die Bank,
00:09:02: ich mache alles online, weil…,
00:09:05: Ist halt einfacher. Also ich meine, Firmenkonto eröffnen musste oder musste
00:09:10: ich natürlich in eine Bankfiliale gehen und erstens einmal da zu sortieren,
00:09:15: welche Bank ist gut, mit wem sprichst du und so weiter, war schon echt herausfordernd.
00:09:20: Und als ich mich dann letztendlich für eine Bank entschieden habe,
00:09:23: und das ist jetzt bei mir gerade einmal drei Jahre her, habe ich einen Berater
00:09:27: kennengelernt, der hat sich vorgestellt und den habe ich danach nie wieder gesehen,
00:09:31: habe aber mittlerweile schon von vier anderen E-Mails bekommen.
00:09:35: Also in drei Jahren der fünfte Bankberater und Geld ist halt doch etwas Heiliges
00:09:41: und da braucht man als Mensch, glaube ich, schon eine Verbindung zum Gegenüber.
00:09:46: Und ich werde jetzt heute einmal im Jahr von meinem dann aktuellen Bankberater
00:09:52: angerufen, was ich denn mit meinem Geld am Konto machen möchte und ob ich irgendwie
00:09:59: investieren möchte oder sonst irgendwas.
00:10:01: Und ich denke mir jedes Mal, warum soll ich das dir erzählen?
00:10:05: Ich kenne dich gar nicht.
00:10:08: Wobei ich merke, dass es für mich schwierig ist, so ganz ohne Beziehung zu einem Berater.
00:10:16: Wobei ich finde, solange ein Bankberater noch anruft oder anschreibt oder so,
00:10:21: ist noch was anders als bei meiner Bank, wo ich regelmäßig das Kundencenter
00:10:26: mit einer Umfrage belästigt.
00:10:28: Also da gibt es dann überhaupt niemanden mehr, der so persönlich für dich zuständig ist.
00:10:36: Das finde ich auch extrem strange.
00:10:42: Also gut, ich nehme an, in 21 Jahren hast du dich in der Bank auch so ein bisschen
00:10:50: von den Aufgaben oder auch von deinen Positionen her verändert.
00:10:57: Kannst du das mal kurz zusammenfassen?
00:11:00: Ja, angefangen habe ich natürlich als einfache Mitarbeiterin,
00:11:04: also unter Anführungsstrichen einfache Mitarbeiterin und relativ schnell war mir klar,
00:11:09: das ist zwar fein, aber ich will doch ein bisschen mehr und habe dann innerhalb
00:11:14: dieser Bank gewechselt in ein anderes Team.
00:11:17: Habe dann dort ein bisschen Verantwortung dazu bekommen, habe aber dann nach
00:11:21: ein paar Jahren in der Bank festgestellt, okay,
00:11:24: Großbank, alles super, aber Großbank bist eine Nummer und du kannst noch so
00:11:29: viel arbeiten, du wirst halt ewig eine Nummer bleiben und wenn du wirklich was
00:11:34: erreichen möchtest, musst gehen.
00:11:37: Das war einfach damals so und habe dann gewechselt in eine kleine Spezialbank,
00:11:42: habe dann dort relativ schnell mehr Verantwortung dazu bekommen.
00:11:49: Diese Bank wurde dann aber fusioniert, bevor die mir versprochene Stelle frei
00:11:55: geworden ist und ich habe dann kurzzeitig in eine andere Branche gewechselt.
00:12:01: Und habe aber von der Tätigkeit in der anderen Branche das Gleiche gemacht.
00:12:06: Also war dann einfach dort auch im Treasury und habe aber dort schnell gemerkt,
00:12:11: das ist mir zu langweilig.
00:12:13: Also Treasury in einer Bank oder Treasury in einem Großunternehmen,
00:12:17: das ist wie Tag und Nacht.
00:12:20: In einer Bank hast du einfach den ganzen Tag wirklich was zu tun und in einem
00:12:24: Großunternehmen machst du deine ein, zwei Geschäfte in der Woche und Geschichte erledigt.
00:12:30: Und das war mir persönlich zu langweilig.
00:12:33: Ich mag nicht acht Stunden sitzen und die Zeit vergeht einfach nicht, weil nichts zu tun ist.
00:12:38: Und bin dann wieder von einer ehemaligen Kollegin in die Bank zurückgeholt worden,
00:12:42: war dann eine Zeit lang Treasury-Händlerin und nicht mehr im Backoffice.
00:12:49: Und da habe ich gemerkt, okay, das ist gar nicht meins, wenn mich jemand anruft
00:12:54: und sagt, er will jetzt 200 Millionen für drei Tage irgendwie veranlagen oder was auch immer.
00:13:02: Das hat mir meinen Puls jedes Mal schon in die Höhe getrieben.
00:13:06: Das war dann das komplette Gegenteil zu dem, was ich davor in Langeweile hatte.
00:13:14: Und ein paar Jahre lang hat es mich so ein bisschen hin und her getrieben in
00:13:19: den verschiedensten Unternehmen und letztendlich bin ich dann wieder in einer
00:13:23: kleinen Spezialbank gelandet und habe dann dort relativ schnell nach Beginn,
00:13:27: also ich habe begonnen als Mitarbeiterin und habe dann aber nach ein paar Monaten
00:13:31: schon die stellvertretende Leitung übernommen und ein Jahr nach Einstieg dann
00:13:36: die volle Leitung des Teams und ja, ähm,
00:13:43: Dort bin ich dann bis zum Ende meiner Bankkarriere geblieben, in dieser Spezialbank.
00:13:47: Und natürlich auf dem Weg in diesen 20 Jahren wahnsinnig viel miterlebt,
00:13:52: wenn man sich so die Zeit anschaut.
00:13:54: Das war erstens mal die Bankenkrise, war in der Zeit, in der ich in der Bank gearbeitet habe.
00:13:59: Also die weltweite Finanzmarktkrise, das war eine äußerst herausfordernde Zeit.
00:14:04: Ich habe studiert dazwischen.
00:14:07: Ein Studium, wenn mir das jemand mit 18 gesagt hätte, dass ich das jemals studieren
00:14:11: würde, hätte ich demjenigen einen Vogel gezeigt, weil ich wollte ja nicht in die Bank.
00:14:15: Und dann studiere ich auch noch Bank und Finanzwirtschaft.
00:14:19: Aber so spielt das Leben halt manchmal. Man hat oft eine Idee oder einen Plan,
00:14:25: wo es hingehen soll und das Leben denkt sich, ich habe aber was anderes mit dir vor.
00:14:31: Aber dieses Studium, das hast du dann schon aus freien Stücken gemacht oder
00:14:37: war das Voraussetzung für irgendwas?
00:14:39: Nein, es war keine Voraussetzung, aber mir ist relativ schnell klar geworden,
00:14:44: dass du in der Bank einfach nichts wirst mit Matura.
00:14:48: Also da musst du schon einen sehr langen Atem haben. War vielleicht auch vor
00:14:52: 20 Jahren noch ein bisschen einfacher, mit nur Matura unter Anführungsstrichen
00:14:57: in eine höhere Position zu kommen.
00:15:00: Aber das Studium war sicher ein Abkürzer.
00:15:03: Und was mir immer wieder bei Vorstellungsgesprächen gesagt wurde, ist,
00:15:07: dass man schon sieht, wenn jemand neben einem, und ich hatte keinen 40-Stunden-Job,
00:15:13: also gerade in der ersten Bank, in der ich tätig war, wo die große Fusion war,
00:15:18: da hatten wir 60, 70-Stunden-Wochen, weil das musste einfach durchgezogen werden, diese Fusion.
00:15:24: Und mir wurde dann schon oft gesagt, dass man sieht, wenn jemand in so einer
00:15:29: Branche tätig ist und dann noch berufsbegleitend studiert,
00:15:35: dass so jemand Biss hat und dass so jemand weiterkommen möchte.
00:15:39: Also das war schon in vielen Bewerbungsgesprächen so das, was herausgestrichen worden ist.
00:15:46: Wir sehen, sie sind belastbar, wir sehen, sie haben den Willen.
00:15:53: Das wäre so meine nächste Frage gewesen. Du hast bestimmt berufsbegleitend studiert
00:16:00: und hast du damals schon deine Kinder gehabt?
00:16:03: Nein, noch nicht, oder? Nein, ich hatte noch keine Kinder, aber ich hatte meinen Mann damals auch schon.
00:16:09: Und es war eine harte Zeit, weil Bank und Finanzwirtschaft, also wenn ich mir
00:16:13: heute so die berufsbegleitenden Studien anschaue, dann sind das oft so zwei,
00:16:16: drei Abende unter der Woche, wo du auf der Uni sitzt.
00:16:20: Bei mir war das tatsächlich damals so vier Tage unter der Woche plus jeden Samstag.
00:16:25: Also es waren echt und ich habe, wie lange hat es gedauert? Ich glaube,
00:16:30: es waren acht Semester oder neun Semester. Neun Semester waren es.
00:16:35: Also es war viereinhalb Jahre kaum Privatleben.
00:16:39: Und ich glaube, jeder, der mal berufsbegleitend was gemacht hat,
00:16:44: kennt das. Wenn du drinnen steckst, findest du das gar nicht so schlimm.
00:16:47: An einem Tag, wo du fertig bist, denkst du, wie habe ich das eigentlich durchgedruckt die ganze Zeit?
00:16:55: Was mache ich mit der Zeit jetzt, oder? Ja, was mache ich mit der Zeit?
00:16:59: Ich habe auf einmal wieder jeden Samstag frei. Um Gottes Willen, was tue ich damit?
00:17:03: Also rückblickend betrachtet.
00:17:06: Ein Wahnsinn. Wie ich das geschafft habe, keine Ahnung.
00:17:10: Da sieht man halt mal, was Motivation alles so leisten kann.
00:17:15: Absolut. Ja, aber man übersieht dann halt auch manchmal die eigenen Grenzen.
00:17:24: Ja, das stimmt schon. Wobei in der Zeit, es ist gegangen, ich habe lustigerweise
00:17:29: in meinem Studium nie den Anspruch gehabt, dass ich super sein muss.
00:17:33: Also ich habe mein Studium bestanden und ich habe für mich das mitgenommen,
00:17:37: was für mich wichtig war und es waren viele Dinge für mich in diesem Studium
00:17:41: nicht wichtig, sage ich auch ganz ehrlich dazu.
00:17:48: Aber ja, ich bin sicher über meine Grenzen gegangen, rückwirkend betrachtet, ganz sicher. Ja.
00:17:55: Wie ist es denn dann weitergegangen? Du hast dann aus irgendeinem Grund beschlossen,
00:18:03: von der Bank wegzugehen. Was war das?
00:18:08: Lass es mich umformulieren. Es wurde für mich beschlossen, dass ich auf der Bank weggehe.
00:18:14: Also es war in der letzten Bank, in der ich tätig war, das war für mich ein,
00:18:21: ich hasse zwar dieses Wort, weil es im Moment überall jeder verwendet,
00:18:26: aber es war wirklich ein toxisches Umfeld.
00:18:28: Also heute würde man das ein toxisches Umfeld nennen.
00:18:32: Und ich war trotz allem in dieser Bank zehn Jahre noch.
00:18:36: Und ich kann mich erinnern, ich habe am Tag, wie ich dort mich beworben habe,
00:18:40: schon gemerkt, uff, ist jetzt nicht unbedingt meins.
00:18:44: Aber die Position war damals nicht schlecht und ja, es war gerade so eine Phase,
00:18:49: wo aufgrund der Finanzmarktkrise nicht so viele Jobs am Bankensektor vorhanden
00:18:54: waren und ich habe mir gedacht, okay, das wird schon,
00:18:58: tatsächlich war es so, dass ich mich da zehn Jahre lang durchgequält habe,
00:19:02: also wirklich durchgequält habe und Situationen miterlebt habe, wo ich heute,
00:19:07: Jahre später sage, warum habe ich das mitgemacht?
00:19:12: Warum bin ich nicht von selbst gegangen?
00:19:15: Jetzt muss man natürlich dazu sagen, die Bankenbranche war zu der Zeit,
00:19:19: in der ich dort tätig war, eine Branche, die sehr gut bezahlt war.
00:19:24: Und ich habe mein Gehalt tatsächlich die letzten Jahre nicht mehr als Gehalt
00:19:29: bezeichnet, sondern als Schmerzensgeld, das am Ende des Monats kam.
00:19:33: Und genauso hat sich das angefühlt.
00:19:36: Und ich habe dann in der Zeit, in der letzten Bank, habe ich meinen Sohn bekommen,
00:19:42: war dann zwei Jahre in Karenz.
00:19:44: Und ich glaube, viele Mütter kennen dieses Gefühl, dass sich mit der Geburt
00:19:49: des Kindes einfach wahnsinnig viel verändert.
00:19:53: Prioritäten verändern sich und ja, auch viele Sichtweisen verändern sich.
00:19:58: Und ich bin dann nach der Geburt meines Sohnes in Teilzeit zurückgegangen in
00:20:02: die Bank, war weiterhin Führungskraft, obwohl ich um meine Position damals streiten
00:20:07: musste, dass ich sie wiederbekomme.
00:20:11: Ab dem Zeitpunkt habe ich einfach gemerkt, das geht sich für mich einfach nicht mehr aus.
00:20:16: Aber ich wäre nicht von selbst gegangen, weil das Schmerzensgeld doch so ein hohes war.
00:20:22: Und ja, es gab dann personelle und strukturelle Veränderungen in der Bank.
00:20:28: Und ich habe dann eine neue Vorgesetzte bekommen, die...
00:20:35: Anfangs eine sehr nette war und dann aber nach kurzer Zeit begonnen hat,
00:20:39: ihre Krallen auszufahren.
00:20:40: Und ich habe dann schon gemerkt, okay, gesundheitlich geht es mir einfach nicht mehr gut.
00:20:44: Ich war in den vielen Jahren, die ich in der Bank war, nie krank.
00:20:48: Ich war, wenn, dann mal am Tag daheim, weil es mir wirklich Dreck gegangen ist.
00:20:52: Aber sonst war ich immer da und da hat für mich auf einmal so die Zeit begonnen.
00:20:56: Ich bin öfters krank gewesen.
00:20:58: Ich habe permanent geschaut, wann kann ich auf Urlaub gehen.
00:21:01: Kein Urlaub war mehr erholsam, aber ich habe tatsächlich nicht verstanden, was das alles bedeutet.
00:21:08: Also es war für mich so heute rückwirkend betrachtet und nach all dem,
00:21:13: was ich seit meiner Bankerfahrung gemacht habe und mich weiterentwickelt habe,
00:21:17: muss ich sagen, ich war damals sehr hochnäsig, was psychische Erkrankungen angeht
00:21:23: oder was psychische Belastbarkeit angeht.
00:21:27: Es gab in dem Unternehmen einige, die ins Burnout geschlittert sind und ich
00:21:31: habe immer gesagt, okay bitte Burnout, das hasst, wenn es sonst nichts hasst.
00:21:37: Also so nach dem Motto, weil das kann da ja keiner nachweisen, wie es da jetzt geht.
00:21:43: Also ich möchte mich hiermit in aller Form bei allen entschuldigen,
00:21:47: über die ich das jemals gedacht habe, weil bei mir war es dann tatsächlich auch
00:21:52: so. Eines Tages bin ich aufgewacht und habe gewusst, ich kann dort nicht mehr hingehen.
00:21:58: Ich habe es geschafft, damals vom, also wir wohnen in einem Haus,
00:22:03: in einem Einfamilienhaus, und ich habe es damals an dem Tag geschafft,
00:22:06: vom oberen Stock in den unteren Stock zu gehen, meinem Sohn ein Frühstück zu machen,
00:22:12: meinen Sohn noch irgendwie ferngesteuert in den Kindergarten zu bringen.
00:22:15: Bin nach Hause gekommen und war erledigt. Und das für Monate.
00:22:22: Ich konnte monatelang meinen Tagesablauf gar nicht mehr bewältigen.
00:22:29: Diese Routine-Dinge wie Kinder in den Kindergarten bringen, ging,
00:22:33: aber danach war die Energie schon weg.
00:22:36: Es hat sich dann sehr schnell herausgestellt, dass es ein Burnout ist.
00:22:42: Ich hatte damals auch Panikattacken. Ich hatte damals eine Ärztin,
00:22:47: die meinte, gehen Sie nach zwei Monaten wieder arbeiten.
00:22:52: Und wir erhöhen einfach die Medikamente, dann passt das schon.
00:22:56: Ich kann mich erinnern, ich bin dann in diesem Zug gesessen,
00:23:00: also ich wohne ja in Niederösterreich und die Bank war in Wien,
00:23:03: und ich bin im Zug gesessen und je näher dieser Zug Richtung Westbahnhof gefahren
00:23:09: ist, desto schlimmer ist es mir gegangen.
00:23:12: Und ich bin damals dann in diese Firma reingegangen und eine Kollegin von mir
00:23:17: ist mir am Gang begegnet und hat mich angeschaut und hat gesagt, was tust du da?
00:23:22: Und ich so, ja, ich bin jetzt wieder da, ich bin jetzt wieder gesund.
00:23:26: Und sie hat mich angeschaut und hat gesagt, also du bist alles,
00:23:29: aber sicher nicht gesund.
00:23:31: Und ich habe mich dann da drei Tage durchgequält und dann ist es nicht mehr
00:23:35: gegangen und dann war ich wieder zu Hause.
00:23:38: Und ja, dann hat man relativ schnell die Entscheidung für mich gefällt und hat
00:23:43: mich im Krankenstand gekündigt.
00:23:45: Und damals war es mir auf gut wienerisch gesagt Wurst. Ja, um...
00:23:52: Und nach ein paar Monaten, als es mir dann gesundheitlich besser ging,
00:23:55: nach vielen Therapiestunden etc., kam dann diese Dankbarkeit.
00:24:02: Weil ich glaube, hätten sie mich
00:24:04: nicht gekündigt, würde ich wahrscheinlich heute noch immer dort leiden.
00:24:09: Einfach aus ganz vielen Gründen. Ich meine, allen voran war sicher ein Grund
00:24:14: der finanzielle Grund. Wir hatten kurz zuvor ausgebaut und natürlich alles abgestimmt
00:24:20: auf zwei Gutverdiener und dann auf einmal fällt das weg.
00:24:25: Aber für mich war das wirklich ein Befreiungsschlag und ich kann mich noch erinnern,
00:24:29: man hat mich ja nicht angerufen und gesagt, man kündigt mich,
00:24:33: sondern ich habe ein formloses Mail von meiner damals Vorgesetzten bekommen,
00:24:37: ich möge mich mit der Personalabteilung in Verbindung setzen.
00:24:41: Das habe ich dann noch gemacht und ich kann mich noch so gut an dieses Gefühl
00:24:44: erinnern, als die ausgesprochen haben, wir trennen uns von ihnen.
00:24:49: Ich weiß noch, dass das für mich so war, wie wenn ich das erste Mal seit Monaten
00:24:54: wieder richtig atmen hätte können.
00:24:56: Ich war wirklich erleichtert.
00:25:01: Ja, das war meine Zeit in der Bank und ich habe natürlich dann lang gebraucht,
00:25:07: das aufzuarbeiten, weil das Burnout war ein Thema,
00:25:14: aber auch diese Situation in der letzten Firma war für mich ein großes Thema.
00:25:18: Und ich habe mich sehr viel mit dieser Dynamik beschäftigt, die geherrscht hat.
00:25:24: Und viel mit dem, wie hätte ich anders reagieren können oder wie hätte ich anders agieren können.
00:25:31: Und ja, das hat mich letztendlich aber dann genau in die Richtung getrieben,
00:25:35: in der ich heute tätig bin.
00:25:38: Du hast ja auch einen Podcast.
00:25:44: Ja, der ist gerade im Winterschlaf. Da ist gerade im Mittelschlaf,
00:25:47: aber da gibt es schon einige Folgen dazu.
00:25:49: Generationen-Couch, oder? Genau, ja.
00:25:54: Und da beschäftigst du dich ja auch generell mit verschiedenen Generationen,
00:26:01: die in der Zusammenarbeit und aus der Sicht auch der Führung. Genau.
00:26:09: Und insofern war das ja, also da hast du eine gute Plattform für dich gehabt,
00:26:13: diese ganzen Dinge auch zu verarbeiten, oder?
00:26:16: Ja, absolut. Also ich merke es auch immer wieder, wenn ich mich auf so Podcast-Folgen
00:26:21: vorbereite, dann kommt natürlich ganz viel aus der Vergangenheit hoch.
00:26:25: Und ich hatte ja wirklich ein hochspannendes Team zu leiten,
00:26:28: weil ich hatte vom Maturanten bis zum kurz vor der Pension stehenden Mitarbeiter
00:26:32: wirklich alles in meinem Team vertreten.
00:26:36: Und auch heute, wenn ich mit Firmen arbeite oder ich bin ja auch sehr viel in
00:26:40: Schulen unterwegs, Du findest ja keine Tätigkeit, wo nicht mindestens drei Generationen
00:26:47: miteinander zu tun haben.
00:26:48: Und es ist schon ein spannendes Thema, weil wir Menschen natürlich komplett unterschiedlich sind.
00:27:01: Wir funktionieren, unterschiedliche Werte haben. Wir kommunizieren unterschiedlich.
00:27:05: Es fällt mir jeden Tag aufs Neue auf, wenn ich mich mit meinen Kindern unterhalte.
00:27:09: Dann denke ich mir, was hast du gesagt?
00:27:12: Kannst du das jetzt bitte nochmal so formulieren, dass es eine Mitte-40-Jährige
00:27:17: auch versteht? Vielen Dank.
00:27:19: Ja, und natürlich, wenn man das jetzt ummünzt auf den Arbeitsplatz,
00:27:23: wenn dann da verschiedene Generationen miteinander kommunizieren müssen,
00:27:29: ist es herausfordernder.
00:27:31: Nicht immer negativ herausfordernd, sondern natürlich genauso auch positiv herausfordernd.
00:27:36: Und das finde ich total spannend.
00:27:39: Das, was mich damals nicht in eine Bankfiliale getrieben hat,
00:27:43: nämlich der Kontakt zu Menschen, das hat sich in den letzten 20 Jahren Gott
00:27:46: sei Dank stark verändert. Und ich liebe den Kontakt zu Menschen.
00:27:49: Und ich liebe es, mich mit anderen auszutauschen und,
00:27:53: Ja, das ist für mich total spannend und sehr bereichernd.
00:27:58: Ja, super. Also so kann sich das verändern. Es kommt ja auch darauf an, wo der Fokus ist.
00:28:07: Aber wir haben jetzt so einen wichtigen Punkt übersprungen. Also quasi,
00:28:13: du warst jetzt dann zu Hause, du bist genesen schon langsam.
00:28:18: Wie bist du dann zu einer Entscheidung gekommen, dass es weitergehen soll?
00:28:24: Oder was war da? Hoppla, wenn die Katze vom Tisch fällt.
00:28:31: Und also für mich war immer klar, ich muss wieder irgendwas machen.
00:28:35: Also ich bin nicht der Mensch, der zu Hause bleibt und nichts tut.
00:28:38: Das habe ich noch nie können.
00:28:40: Und für mich war aber auch klar, ich kann nicht mehr zurück in ein Angestelltenverhältnis.
00:28:48: Ich kann nicht mehr zurück in eine Bank.
00:28:50: Dort würde ich sofort wieder in das gleiche Fahrwasser kommen.
00:28:55: Und das geht sich für mich einfach nicht mehr aus.
00:28:59: Und ich habe für mich damals beschlossen, also meine Ärztin,
00:29:03: die hätte mich ja nur medikamentös behandelt, da habe ich gemerkt,
00:29:06: okay, das funktioniert für mich nicht, ich muss irgendwie das Erlebte auch aufarbeiten,
00:29:11: ich muss das für mich bis zu einem gewissen Grad auch abschließen können und
00:29:15: war dann lange in Therapie.
00:29:17: Und in der Therapie bin ich draufgekommen, dass mir das, was die Therapeutin
00:29:21: mit mir macht, total taugt.
00:29:24: Also dieses Menschen behilflich sein, wenn sie in irgendeiner Spur drinnen sind,
00:29:33: aus der sie alleine nicht rauskommen.
00:29:35: Und für mich war aber relativ schnell klar.
00:29:38: Ich möchte nicht mit kranken Menschen arbeiten. Dazu fühle ich mich einfach nicht berufen.
00:29:44: Noch dazu war für mich auch klar, ich mache nicht noch ein Studium,
00:29:47: ich mache nicht noch eine jahrelange Ausbildung.
00:29:49: Das will ich nicht. Ich habe zwar dann schon eine gemacht, aber halt eine andere.
00:29:54: Und also für mich war einfach klar, ich möchte Menschen begleiten.
00:29:59: Ich möchte aber mit Menschen arbeiten, die gesundheitlich in der Lage dazu sind, dass ich sie begleite.
00:30:08: Und habe mich dann eben umgeschaut, okay, was gibt es so am Markt für Ausbildungen, was könnte ich machen?
00:30:13: Und habe dann die Lebens- und Sozialberaterausbildung gemacht.
00:30:16: Habe aber schnell gemerkt, okay, das alleine ist es nicht. Ich brauche ein bisschen mehr.
00:30:22: Habe dann parallel noch eine Trainerausbildung gemacht und Supervision und Burnoutprävention
00:30:28: und wie immer fünf Dinge gleichzeitig, weil das brauche ich offensichtlich, damit ich gut renne.
00:30:35: Und bin dann nach diesen ganzen Ausbildungen, ich bin ja dann während den Ausbildungen
00:30:40: auch noch ein zweites Mal schwanger geworden, habe dann meine Tochter bekommen
00:30:43: in dieser Zeit und habe dann für mich nach den Ausbildungen gemerkt, okay,
00:30:49: ich arbeite gern mit Menschen, aber am allerliebsten arbeite ich mit mehreren
00:30:54: Menschen gleichzeitig.
00:30:55: Also mit Teams und mit Schulklassen und ja, ich mag es einfach gern,
00:31:00: wenn viele Menschen da sind, weil es für mich einfach viel mehr Spannung oft
00:31:04: hat, als wenn ich mit einem Menschen allein arbeite.
00:31:07: Und so hat sich das dann irgendwie entwickelt. Ja, also ich möchte mal sagen,
00:31:12: dass was die letzten drei Jahre in meiner Selbstständigkeit passiert ist,
00:31:17: da hat sich ganz viel entwickelt ohne Plan. Ja.
00:31:22: Also, ich weiß nicht, du wirst das selbst wahrscheinlich auch kennen.
00:31:25: Man hat so eine Idee, in die man verliebt ist, was man gern machen tät,
00:31:29: und dann probiert man das und dann funktioniert es vielleicht nicht ganz so.
00:31:33: Und dann orientiert man sich ein bisschen um und dann merkt man,
00:31:36: ah, das ist aber cool und da könnte ich ja noch das und das dazu machen.
00:31:39: Und ja, so ist vieles einfach, unter Anführungsstrichen, wirklich passiert, was ich jetzt heute tue.
00:31:46: Ja, und um das mal auf den Punkt zu bringen, was tust du heute?
00:31:51: Wie hilfst du heute Menschen?
00:31:55: Ich begleite Teams, wenn sie Konflikte haben, wenn sie nicht gut miteinander
00:32:00: arbeiten können, wenn die Kommunikation bei ihnen nicht passt.
00:32:04: Und das mache ich einerseits in Unternehmen, mache das aber auch in Schulen,
00:32:09: weil ich auch durch einen Zufall zu Schulworkshops gekommen bin.
00:32:15: Und das macht mir wahnsinnig Spaß, mit den Kindern und Jugendlichen zu arbeiten.
00:32:19: Aber da siehst du natürlich auch viele Teams in Schulen. Also du siehst einerseits
00:32:23: die Klassen, die ja auch nichts anderes als Teams sind.
00:32:27: Aber du siehst auch das Lehrerzimmer. Du arbeitest in Schulen und mit Teams.
00:32:33: Und da bist du eben mit diesem Thema Generationen halt auch wahrscheinlich gut befasst.
00:32:38: Genau, Generationen, aber natürlich Konflikte.
00:32:42: Überall, wo Menschen zusammenarbeiten, gibt es Konflikte. Und ja,
00:32:46: auch das Thema Kommunikation ist mir ein ganz wichtiges.
00:32:49: Wie wollen wir miteinander kommunizieren? Und ich merke, dass das für viele
00:32:54: Menschen gerade ein Thema ist.
00:32:56: Also, wenn man sich, gerade wenn man Social Media hat und ein bisschen so durch
00:33:00: Social Media scrollt, dann...
00:33:03: Fragt man sich manchmal, okay, wo sind wir mit unserer Kommunikation gelandet
00:33:07: und wie wollen wir tatsächlich miteinander sprechen?
00:33:09: Und ja, das merke ich immer auch in den Bereichen, in denen ich unterwegs bin,
00:33:14: dass das ein sehr großes Thema ist.
00:33:17: Und ist es nicht auch so, die Menge an Kommunikation, die da zu bewältigen ist?
00:33:22: Weil wenn ich denke, wie viel über Social Media dazu geballert wird,
00:33:27: über Newsletter, was weiß ich, alles Mögliche, es ist schon sehr... Ja, absolut.
00:33:33: Ich bin auch der Meinung, wir werden heute überfordert eigentlich mit dieser ganzen Kommunikation.
00:33:41: Wenn du denkst, früher hast du einem entfernten Freund, den du nicht so oft
00:33:47: gesehen hast, vielleicht einmal einen Brief geschrieben. Dann hast du Zeit genommen,
00:33:50: hast den Brief geschrieben, hast ihn weggeschickt.
00:33:52: Der hat dann drei Tage darüber nachgedacht, was er da antwortet,
00:33:55: hat ihn zurückgeschickt.
00:33:56: Also da war diese Kommunikation, die auf einer Vierblatt passt,
00:33:59: hat irgendwie sich verteilt über einen Zeitraum von eineinhalb bis zwei Wochen.
00:34:04: Heutzutage, wir sind ja ständig im Austausch, sei es die WhatsApp-Nachricht
00:34:09: oder eben über Social Media eine kurze Nachricht.
00:34:12: Dauernd kriegen wir irgendwelche E-Mails, so wie du sagst, Newsletter und, und, und.
00:34:16: Und wir werden richtig zugemüllt.
00:34:20: Also natürlich, für viele Dinge entscheiden wir uns bewusst,
00:34:23: aber wir bekommen auch ganz viel Unbewusst mit. Wenn ich durch Social Media
00:34:28: scroll, ist wahrscheinlich von zehn Beiträgen einer, der mich wirklich interessiert.
00:34:33: Aber gelesen habe ich zehn, damit ich filtern kann, was interessiert mich denn überhaupt.
00:34:38: Also diese Menge ist massiv.
00:34:44: Was empfiehlst du in diesen Fällen, wenn es so um Überlastung in der Kommunikation geht?
00:34:52: Ich empfehle immer wieder ganz bewusst das Selektieren, was möchte ich?
00:34:58: Welche Art der Kommunikation möchte ich?
00:35:00: Ich bin zum Beispiel ein Mensch, ich habe mich von fast allen Newslettern abgemeldet,
00:35:04: weil mich das überfordert.
00:35:06: Ich will in der Früh nicht meinen PC auftrennen und 20 ungelesene E-Mails haben
00:35:10: und davon sind 17 Newsletter, die ich nicht lesen kann, weil ich die Zeit dazu nicht habe.
00:35:16: Also einfach sowas zu löschen. Genauso auch, man darf offen sagen,
00:35:21: welche Art der Kommunikation man möchte.
00:35:24: Möchte ich permanent über WhatsApp irgendwelche Sprachnachrichten oder irgendwelche
00:35:29: anderen Nachrichten bekommen?
00:35:31: Oder lehne ich für mich WhatsApp als Kommunikationskanal überhaupt ab? Ist alles legitim.
00:35:38: Und auch in, ich glaube, was ganz wichtig ist und was ich draußen in der Welt
00:35:44: so ein bisschen beobachte, die Menschen gehen wieder mehr auf Rückzug.
00:35:46: Sie brauchen wieder mehr Zeit für sich und diese Zeit für sich darf man dann
00:35:50: aber wirklich kommunikationsfrei auch gestalten.
00:35:54: Also ich habe das wirklich oft, dass ich einfach das Handy abdrehe,
00:35:58: dann bin ich nicht erreichbar.
00:35:59: Und auch mal zu meinen Kindern und zu meinem Mann sage, ich brauche jetzt zehn Minuten meine Ruhe.
00:36:05: Ich möchte jetzt zehn Minuten bitte einfach nicht angesprochen werden.
00:36:09: Und das mag im ersten Moment vielleicht ziemlich harsch klingen,
00:36:13: aber das ist für mich nichts anderes als ein Selbstschutz.
00:36:16: Weil ich für mich merke, okay, jetzt ist es mir zu viel. Und da wieder genauer
00:36:21: hinzuschauen und dieses Gefühl wieder zu entwickeln, wie viel ertrage ich unter
00:36:27: Anführungsstrichen und wann ist es genug.
00:36:32: Das ist schon etwas, was man auch aus einem Burnout gut mitnehmen kann,
00:36:36: die eigenen Grenzen wahrzunehmen und zu schauen, geht sich das noch aus oder nicht.
00:36:41: Ja, das ist ein ganz, ganz großes Learning aus meinem Burnout und heute weiß
00:36:46: ich wirklich ganz schnell, wann es für mich zu viel wird und wann ich jetzt
00:36:49: die Notbremse ziehen muss, weil es einfach nicht mehr geht.
00:36:53: Und das ist natürlich auch ein Vorteil in der Selbstständigkeit.
00:36:57: Ich kann heute auch mal sagen, wenn ich merke, es geht mir nicht gut,
00:37:01: kann ich heute mal sagen, okay, dann arbeite ich heute mal nicht.
00:37:04: Das wäre in einem Angestelltenverhältnis so gar nicht möglich.
00:37:09: Ja. Es ist ja ohnehin so, dass man mit Familie und Haus eh immer arbeitet, oder?
00:37:15: Aufgesehen davon. Absolut, ja. Schaden und sowas.
00:37:20: Also es ist nicht immer Beschäftigung. Absolut, ja. Also so,
00:37:24: dass ich mal faul herumliege, das passiert selten.
00:37:27: Aber das sind ja die Dinge, die haben wir uns selbst ausgesucht.
00:37:30: Also die Kinder und auch Haus und Garten, das ist etwas, was auch Freude bereitet.
00:37:36: Natürlich sind die Kinder auch mal so, dass du denkst, bitte, jetzt reicht es aber.
00:37:41: Ja, aber durchaus eine Bereicherung.
00:37:48: Was würdest du denn jetzt so zusammenfassend empfehlen bei diesem Thema?
00:37:56: Und das ist so witzig, weil ich kenne das auch, dass ich in Firmen eingestimmt
00:38:00: bin, wo ich mir schon beim Vorstellungsgespräch gedacht habe,
00:38:03: das ist ein komischer Verein.
00:38:05: Und mal schauen, ob das besser wird. Aber da war immer diese Hoffnung,
00:38:09: mal schauen, ob das besser wird. Aber dann irgendwie auch eine Weile pickenblink bin.
00:38:14: Was würdest du empfehlen, wenn jemand so den Eindruck hat, so passt es jetzt
00:38:21: nicht mehr, wie lange soll man sich das anschauen?
00:38:24: Kann man da irgendwas testen oder was könnte man machen?
00:38:32: Also ein ganz großes Learning ist, das Bauchgefühl drückt nie.
00:38:39: Wenn der Bauch schreit, das passt nicht, dann passt es einfach nicht.
00:38:46: Und wie lange soll man sich etwas anschauen? Und heute nach meiner Erfahrung
00:38:52: sage ich, ab dem Moment, wo du merkst, es geht für dich nicht,
00:38:58: schau dich um nach etwas Neuem.
00:39:01: Weil erfahrungsgemäß wird es nicht besser.
00:39:05: Und gerade wenn man in einem Unternehmen tätig ist, wurscht wie groß das jetzt
00:39:11: ist, bist du als Person ja nie allein dafür verantwortlich, dass sich etwas
00:39:16: ändert. Und du kannst die besten Ambitionen haben.
00:39:20: Du kannst der größte Optimist sein, dass alles besser wird.
00:39:23: Wenn alle anderen nicht mitziehen, wird es nicht besser werden.
00:39:27: Und ich glaube, es ist besser, in so einem Fall sich selbst weiterzuentwickeln.
00:39:36: Nämlich in dem Sinne, geh woanders hin und such woanders dein Glück und werd
00:39:43: woanders, vor allem werd woanders fündig.
00:39:46: Man hat ja oft so dieses Gefühl, es gibt nichts anderes. Ich kann mich noch
00:39:50: ganz genau erinnern, in meiner Bankzeit, ich hatte so diesen...
00:39:56: Diese Idee in meinem Kopf, ich bin ein absoluter Fachtrottel,
00:40:00: unter Anführungsstrichen.
00:40:01: Ich habe 20 Jahre lang in der Bank gearbeitet, ich habe da studiert,
00:40:05: ich kann ja gar nichts anderes als das.
00:40:08: Und das würde ich auch gern zu deinen Hörern mitgeben, man darf sich nicht immer
00:40:14: alles glauben, was man denkt, weil wir haben meistens ganz, ganz viele,
00:40:22: jetzt fehlt mir das Wort.
00:40:26: Möglichkeiten?
00:40:27: Danke, Möglichkeiten und viele Talente nämlich auch und manches darf man vielleicht erst entdecken.
00:40:36: Ja, das kenne ich auch aus der Beratung. Das sind sehr oft so Dinge,
00:40:40: die so verschüttet sind, weil sie bisher nicht so gebraucht wurden,
00:40:44: die einem aber viel mehr entsprechen.
00:40:48: Aber weißt du, das bringt mich jetzt wieder zum Anfang unseres Gesprächs zurück,
00:40:52: wo du mich gefragt hast, was ich in der Kindheit werden wollte.
00:40:55: Und ich wusste es in der Kindheit tatsächlich nicht, aber ich kann mich erinnern,
00:40:58: dass ich in der Oberstufe, als wir dann das Fach Psychologie hatten,
00:41:03: dass ich das damals schon total spannend fand.
00:41:06: Wir haben da auch so Beratungs-Settings eigentlich damals gemacht mit unserer
00:41:10: Psychologie-Lehrerin und die hat uns halt gezeigt, wie kann man Menschen behilflich sein und so.
00:41:14: Und das fand ich tatsächlich in der Schule schon urspannend.
00:41:17: Und eigentlich ist es jetzt, natürlich bin ich keine Psychologin,
00:41:21: aber das, was ich tue, kommt dem, was mich damals interessiert hat,
00:41:26: noch am nächsten. Ja, ja.
00:41:29: Das ist schon spannend. Das war lang verborgen. Ja? Ja, es ist spannend und
00:41:33: das war lang verborgen. Ja.
00:41:36: Es ist bei mir auch ganz ähnlich. Ich habe eine fixe Idee gehabt,
00:41:43: was ich machen will, war aber so, wie du sagst, auch ganz schwer angetan von dem Fach Psychologie.
00:41:52: Aber ich habe immer gesagt, das ist jetzt nicht mein Plan. Ist zwar nett,
00:41:56: aber ist jetzt nicht mein Plan.
00:41:59: So ist das und so schließt sich der Kreis manchmal. Ja, absolut.
00:42:04: Ja, super. Und trotz allem muss ich sagen, ich möchte ja all das,
00:42:09: was ich in den ersten 20 Berufsjahren erlebt habe, überhaupt nicht missen.
00:42:14: Weil hätte ich das alles nicht erlebt, wäre ich jetzt nicht dort,
00:42:18: wo ich heute bin und würde nicht das machen, was ich heute mache.
00:42:22: Und ganz viel von dem, was ich heute Menschen weitergeben kann,
00:42:26: kann ich ja nur aufgrund dem, was ich erlebt habe. So ist es, ja.
00:42:32: Und man sagt ja auch nicht, Umwege, wer Umwege macht, lernt die Welt besser kennen oder so, ja.
00:42:41: Wir können das alles nur auf dem Hintergrund unserer beruflichen,
00:42:45: privaten, was auch immer, Erfahrungen machen.
00:42:48: Wie auch immer, ja. Liebe Bettina, vielen lieben Dank, dass du heute da warst.
00:42:54: Das war eine sehr spannende Geschichte und ich denke, da kann man sich auch viel rausziehen.
00:43:02: Ich möchte mich sehr gern bei unseren ZuhörerInnen bedanken,
00:43:12: auch fürs Zuhören, fürs immer wieder einschalten,
00:43:16: fürs Dranbleiben und auch für Sterne jeder Art.
00:43:21: Wir hören uns wieder in zwei Wochen.
00:43:27: Also dann, liebe Bettina, tschüss, liebe Bettina. Bye.
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